Drogen : Alkoholvergiftungen bei Jugendlichen sprunghaft gestiegen

Angesichts drastisch steigender Fälle von Alkoholvergiftungen bei Teenagern hat die Drogenbeauftragte der Regierung mehr Jugendschutz verlangt. Die Zahl der Alkoholvergiftungen sei innerhalb von fünf Jahren um 50 Prozent gestiegen.

Berlin - Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), möchte mehr Städte und Gemeinden für den Kampf gegen den riskanten Alkoholkonsum Jugendlicher gewinnen. Das Bundesmodellprojekt "Hart am Limit" (Halt) belege, dass das gefährliche Rauschtrinken zwar insgesamt zunehme, "aber auch, dass wir nicht tatenlos zusehen müssen", erklärte Bätzing bei der Vorstellung der Ergebnisse in Berlin. Demnach stieg die Zahl der 15- bis 19-Jährigen, die mit einer Alkoholvergiftung stationär behandelt wurden, in Deutschland von gut 12.000 Fällen im Jahr 2000 auf fast 18.000 Fälle 2004. Das ist eine Zunahme um 50 Prozent. In den an "Halt" beteiligten Städten sei diese Zahl dagegen stetig gesunken, sagte Bätzing.

Das seit 2004 an elf Standorten in neun Bundesländern erprobte Projekt beruht demnach auf zwei Komponenten: Zum einen berät es Kinder und Jugendliche, deren Alkoholkonsum "bereits jedes Limit überschritten hat", wie Bätzing erläuterte. So arbeiten die "Halt"-Mitarbeiter mit Kliniken, aber auch Schulen und Jugendgerichten zusammen, die den Kontakt zu auffälligen Kindern und Jugendlichen herstellen sollen. Zum anderen sensibilisiere es für einen verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol, sagte die Drogenbeauftragte weiter.

Indem sich örtliche Partner wie Polizei, Vereine, Kommunalverwaltung, aber auch Festveranstalter und Gastronomiebetreiber dabei zusammentun, soll Jugendlichen der Zugang zu Alkohol erschwert werden. Zugleich soll so ein "Rahmen für einen genussorientierten, unschädlichen Umgang mit Alkohol" entstehen.

Alkoholika für "komatöse Alkoholvergiftung"

Innerhalb von zwei Jahren beriet "Halt" den Ergebnissen zufolge mehr als 500 Kinder und Jugendliche mit Alkoholvergiftungen, zu denen überwiegend Kliniken den Kontakt herstellten. Von diesen jungen Leuten waren 58 Prozent männlich und 42 Prozent weiblich, die meisten 15 bis 16 Jahre alt. Dabei seien die Mädchen im Durchschnitt ein Jahr jünger gewesen als die Jungen, erklärte Bätzing. Ein Viertel von ihnen habe "die Alkoholika für ihre komatöse Alkoholvergiftung selbst gekauft".

Die zu "Halt" gehörenden Maßnahmen sollen nach Bätzings Wunsch in den beteiligten Städten auch nach Ende der vom Bund finanzierten Modellphase fortgesetzt und die Erfahrungen aus dem Projekt darüber hinaus "schnell bundesweit genutzt" werden. Dieses sei als Teil der Suchthilfe grundsätzlich Sache der Kommunen, sagte ein Sprecher der Drogenbeauftragten. Die Kosten belaufen sich demnach nach den bisherigen Erfahrungen pro Kommune auf maximal 90.000 Euro pro Jahr. (tso/dpa/AFP)

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