Drogen : Heroinabgabe an Schwerstabhängige rückt näher

Ursprünglich stemmte sich die Union schwer dagegen - jetzt sollen Schwerstabhängige doch reines Heroin bekommen. Die Bundesregierung einigte sich darauf, in ganz Deutschland Programme für Drogensüchtige anzubieten, bei denen nichts anderes mehr hilft.

BerlinEine flächendeckende kontrollierte Abgabe von reinem Heroin, auch genannt "Diamorphin", an Schwerstabhängige rückt nun doch näher. Das Bundeskabinett habe sich eine entsprechende Position des Bundesrats zu eigen gemacht, sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Klaus Vater. Der Gesetzentwurf der Länder werde nun mit der Stellungnahme des Kabinetts dem Bundestag zugeleitet und dort weiter beraten.

Eine Mehrheit von 13 Bundesländern hatte vor zwei Monaten einer Gesetzesinitiative CDU-regierter Länder zugestimmt. Derzeit läuft in sieben Großstädten bereits ein Modellprojekt, bei dem Abhängige bis zu drei Mal täglich unter Aufsicht Diamorphin bekommen. Die Gesundheitsexperten der CDU/CSU-Bundestagsfraktion hatten vor "voreiligen Entscheidungen" gewarnt und sich für ein weiteres Modellprojekt ausgesprochen. Andernfalls könnten bis zu 80.000 Abhängige Anspruch auf eine Versorgung mit Diamorphin auf Kosten der gesetzlichen Kassen bekommen, warnten die Unionsabgeordneten.

Im Gesundheitsministerium geht man dagegen von bundesweit etwa 3500 Behandlungsplätzen und Kosten von 22 Millionen Euro aus. Das Modellprojekt in Hamburg, Hannover, Bonn, Köln, Frankfurt am Main, Karlsruhe und München richtet sich an Abhängige, bei denen andere Programme - etwa mit Methadon - fehlschlugen. Die Bundesregierung drängt darauf, dass der Fokus des Programms auf einen völligen Verzicht auf Drogen liegt und Diamorphin nur als letztes Mittel eingesetzt wird. (mit dpa)

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