Drogenbericht : Gefahr durch Crystal

2012 war das Jahr mit den wenigsten Drogentoten seit 1988. Doch Experten sind beunruhigt durch den steigenden Konsum synthetischer Rauschmittel.

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Die Zahl der Drogentoten ist im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Stand seit 24 Jahren gesunken. Bundesweit starben 944 Menschen an den Folgen ihres Drogenkonsums, das waren 42 weniger als 2011. Zudem scheint die Todesdroge Heroin aus der Mode zu kommen. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP), wertete all dies am Donnerstag als Bestätigung ihrer Politik. Allerdings hat sie, wie sie zugab, noch kein Rezept gegen ein neues Problem: den rapide steigenden Konsum synthetischer Drogen wie etwa kristallines Methamphetamin, kurz Crystal Meth.

Von diesem Aufputschmittel seien im vorigen Jahr 88 Prozent mehr sichergestellt worden worden, berichtete der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke. Die Zahl der erstmals auffällig gewordenen Crystal-Konsumenten stieg um 51 Prozent. Damit lag sie erstmals deutlich über der von erstauffälligen Heroinkonsumenten, die um 23 Prozent sank. Crystal ist leicht produzierbar und imstande, die Gesundheit der Konsumenten in kürzester Zeit komplett zu ruinieren. Betroffen seien vor allem grenznahe Gebiete zu Tschechien, sagte Ziercke – an erster Stelle in Sachsen und Bayern. Allerdings sei bereits eine „Streuwirkung“ in die Großstädte zu beobachten. Man wisse leider noch zu wenig über die Konsumenten und ihre Motive, räumte Dyckmans ein. Daher habe man ein Forschungsprojekt zu der neuen Droge ausgeschrieben.

Sorge bereitet den Experten aber auch der steigende Konsum von Cannabis-Produkten. So wurden 25 Prozent mehr Marihuana und 37 Prozent mehr Haschisch konfisziert. Beunruhigend sei vor allem, dass deren Wirkstoffgehalt erheblich gestiegen sei, sagte der BKA-Chef. Dyckmans sprach von einer „sehr gefährlichen Droge“, Legalisierung stehe nicht auf der Agenda. Die Linkspartei kritisierte diese Haltung. Man nehme sich so auch die Möglichkeit, Konsumenten zu schützen und den THC-Gehalt von Cannabis gesetzlich zu begrenzen.

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