Politik : Drogenhandel: Dem Frieden im Weg

Christine Longin

Andrés Pastrana erzählt gern die Geschichte eines Unternehmers, der bereit ist, 40 Prozent seines Vermögens für den Frieden in Kolumbien herzugeben. So könne er wenigstens die restlichen 60 Prozent genießen, scherzte der kolumbianische Präsident bei einem Vortrag in Berlin. Das Leben genießen heißt in Kolumbien, keine Angst vor Lösegeldzahlungen, Entführungen oder Ermordung zu haben. Doch davon ist das vom Bürgerkrieg zerrissene Land noch weit entfernt. Deshalb wirbt Pastrana in Europa um Unterstützung für den Friedensprozess.

200 000 Menschen starben in den vergangenen 37 Jahren in dem Konflikt zwischen linksgerichteten Rebellen, rechtsextremen Paramilitärs und der Armee. Pastrana erlebte die Gewalt am eigenen Leib: 1988 wurde er von Drogenhändlern entführt. Vielleicht gerade deshalb versprach er nach seiner Wahl zum Präsidenten vor drei Jahren Frieden für sein Land. Und schien es damit tatsächlich ernst zu meinen: Im Oktober 1999 nahm die Regierung getrennte Friedensgespräche mit der linksgerichteten FARC und dem ebenfalls linksgerichteten Nationalen Befreiungsheer (ELN) auf.

Doch seither gleichen die Verhandlungen einem Jo-Jo-Spiel: es geht ständig auf und ab. Die ELN stieg vergangene Woche aus dem Dialog aus, und die Gespräche mit den FARC kommen nicht voran. Das "eigentliche Hindernis" für einen Frieden, so erkannte schon Pastranas Amtsvorgänger Ernesto Samper, sei der Drogenhandel, aus dessen Einnahmen sich Guerilla und Paramilitärs finanzieren. Und genau dort setzte Pastrana mit seinem "Plan Colombia" zur Drogenbekämpfung an. Die USA sagten bereits Unterstützung zu. Die Europäer betrachten die Initiative dagegen mit Skepsis. Sie wollen eine politische Lösung des Konflikts, militärische Mittel lehnen sie ab. "Europa denkt, das Drogenproblem sei ihm fremd", kritisierte denn auch Pastrana die EU-Position. Bundeskanzler Gerhard Schröder scheint sich des Problems bewusst zu sein. Er vereinbarte mit Pastrana eine verstärkte Zusammenarbeit bei der Drogenbekämpfung. Konkrete Zusagen machte er aber nicht. Insgesamt will Deutschland die Entwicklungshilfe für Kolumbien auf 40 Millionen Mark erhöhen. Die deutschen Unternehmer investierten dort im vergangenen Jahr rund eine Milliarde Mark. Für weitere Investitionen fordern sie allerdings mehr Sicherheit vor der Gewalt von Guerilla und Drogenhändlern. Damit sind ihre Wünsche gar nicht so weit von denen der kolumbianischen Industriellen entfernt.

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