Drogenpolitik in Saudi-Arabien : Zwischen Therapie und Todesstrafe

Wie Saudi-Arabien die Drogensucht im eigenen Land bekämpft. 30 Prozent aller Captagon-Tabletten werden in Saudi-Arabien beschlagnahmt. Das Land gibt jährlich 300 Millionen Euro für Therapieeinrichtungen aus.

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Im Al Amal-Hospital in Dschidda. Osama Ahmad Alibrahim ist Chefarzt und Direktor der Entzugsklinik, die eine Vorbildfunktion in der Golfregion einnimmt.
Im Al Amal-Hospital in Dschidda. Osama Ahmad Alibrahim ist Chefarzt und Direktor der Entzugsklinik, die eine Vorbildfunktion in...Foto: Katharina Eglau

Das Königreich kennt kein Pardon. „Tod für Drogenschmuggler“ steht in blutroten Buchstaben quer über dem Einreiseformular, mit dem jeder Besucher Saudi-Arabiens am Flughafen empfangen wird. Kaum eine Woche vergeht ohne öffentliche Hinrichtungen, bei denen Männern mit silbernem Krummschwert die Köpfe abgeschlagen werden, weil sie Haschisch, Amphetamin-Tabletten oder Heroin ins Land geschmuggelt haben. Doch trotz dieser drastischen Schariastrafen nimmt der Drogenkonsum in der Heimat des Propheten Mohammed immer dramatischere Ausmaße an.

„Wir sind keine Insel der Seligen“, sagt Osama Ahmad Alibrahim, Chefarzt des Al-Amal Hospitals, auf deutsch „Klinik der Hoffnung“, dem einzigen Suchtkrankenhaus in der Hafenstadt Dschidda. Arbeitslosigkeit, Familienstress, Langeweile, Abrutschen ins kriminelle Milieu, Depressionen oder Examensnöte sind die Ursachen. „Die Drogensucht nimmt seit Jahren zu, bei Männern und Frauen gleichermaßen“, erläutert der 49-jährige Mediziner, der seit 13 Jahren im Entzug tätig ist. Offiziell geht das Innenministerium von 200 000 Suchtkranken unter den 28 Millionen Einwohnern aus, ein Viertel davon Frauen – Zahlen, die in Wirklichkeit deutlich höher liegen dürften.

„Schlägereien, Autounfällen und Scheißbenehmen“

Einer der vielen ist Ahmed, ein 23-Jähriger, der seinen wirklichen Namen nicht in der Zeitung gedruckt sehen will. „Ich bin als Jugendlicher an falsche Freunde geraten“, sagt der junge Mann, der in Taif aufwuchs. Als sein Vater starb, schmiss er die Schule, seiner Mutter glitt der Halbwüchsige rasch aus der Hand. „Alles kreiste nur noch um Haschisch, Captagon und Alkohol“, erzählt er. Neun Jahre lang habe sein Leben bestanden aus „Schlägereien, Autounfällen und Scheißbenehmen“, bis ihn sein Onkel schließlich kurzerhand in die Drogenklinik ins 170 Kilometer entfernte Dschidda fuhr. Zurück nach Taif möchte er nicht, weil er fürchtet, seinem alten Milieu wieder zu verfallen. Nach der Therapie will er in Dschidda bleiben, das Abitur nachholen und hofft auf ein neues Leben.

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