Drogenstudie : Jugendliche immer früher heroinsüchtig

Eine Studie zeigt: Eine Mehrzahl der Jugendlichen hält Cannabis für nicht gesundheitsschädlich. Bei harten Drogen sinkt das Durchschnittsalter der Süchtigen.

Bianca Blei

Berlin - Die europäischen Regierungen müssten mehr Geld in Aufklärungskampagnen gegen Drogen investieren, das fordert der Internationale Suchtstoffkontollrat (INCB) der Vereinten Nationen am Donnerstag bei der Präsentation seines Jahresberichts in Wien. Das wäre vor allem deshalb wichtig, weil Europa der größte Markt für Cannabis und der zweitgrößte Umschlagplatz für Kokain der Welt ist. Grund für die eindeutige Aufforderung des Rates sind außerdem die Ergebnisse einer Umfrage unter insgesamt 12.000 europäischen Jugendlichen im Alter von 15 bis 24 Jahren. Diese Umfrage besagt, dass zwar 80 Prozent der Befragten die Gesundheitsrisiken von „harten“ Drogen wie Heroin oder Ecstasy kennen und als hoch einstufen, aber nur 40 Prozent der Jugendlichen Cannabis für gesundheitsschädlich halten. Jugendliche sind auch weiterhin vermehrt suchtgefährdet, das Durchschnittsalter der Heroin- und Kokainsüchtigen sinkt von Jahr zu Jahr.

Beliefert wird der europäische Kokainmarkt meist über den Seeweg von Südamerika über Westafrika. Laut Bericht des Suchtstoffkontrollrats führt durch jedes westafrikanische Land mindestens eine Drogenroute. Aber auch neue Schmuggelrouten würden immer mehr erschlossen. War bis dato die Balkanroute über die Türkei, Bulgarien, Rumänien und Ungarn nur gängig für den Schmuggel von Opiaten aus Afghanistan nach Europa, so wird auch vermehrt Kokain über diesen Weg befördert.

Eine Rüge des Internationalen Suchtstoffkontrollrats handelte sich Deutschland für seine Drogenkonsumräume ein. In solchen Räumen wird die Einnahme von Drogen medizinisch überwacht. Der INCB sieht solche Räume als unvereinbar mit den verschiedenen internationalen Konventionen. Die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD) verteidigt die Maßnahmen aber. Sie seien eine Hilfe „für langjährige schwer abhängige Menschen zum Überleben und zur Anbindung an das bestehende und gut ausgebaute Hilfesystem“. Positiv wurde hingegen vom INCB die Bekämpfung des illegalen Drogenhandels in Deutschland bewertet. Carola Lander vom Suchtstoffkontrollrat sagte, dass die Bundesrepublik alles in allem „nicht schlecht“ dastehe.

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