Politik : Drogenvorwurf gegen Schill: Letzte Hoffnung Haarprobe

Karsten Plog

Ronald Barnabas Schill hat keine Angst. Hamburgs Innensenator ist bereit, der Strategie des Fußballtrainers Christoph Daum zu folgen. Er will mit einer Haarprobe beweisen, dass er kein Kokain-Konsument ist. Bei Christoph Daum ging der Schuss nach hinten los; seit Monaten muss er sich vor Gericht wegen Kokain-Missbrauchs verantworten. Doch Ronald Schill hofft auf diese Weise, den am Donnerstag in der ARD-Sendung "Panorama" erhobenen Drogenvorwürfen begegnen zu können. Das kündigte Schills Büroleiter Dirk Nockemann am Freitag in Hamburg an. Außerdem will Schill die Verantwortlichen der Sendung und den anonymen Belastungszeugen verklagen.

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In der "Panorama"-Sendung hatte ein unkenntlich gemachter Mann berichtet, er habe in zwölf Monaten drei Mal erlebt, wie sich Schill aus einem dunklen Keramik-Döschen ein weißes Pulver mit dem Finger "direkt auf das Zahnfleisch gerieben" habe - ein bei der Einnahme von Kokain übliches Verfahren. So sei es auch am Wahlabend des 23. September 2001 auf dem Freideck des Schiffes gewesen, das die Schill-Partei im Hafen für ihre Wahlparty gemietet hatte. Der Zeuge soll selbst der von Schill gegründeten "Partei Rechtsstaatliche Offensive" angehören und hat seine Aussagen durch eine eidesstattliche Erklärung untermauert.

Schill beschimpfte den Zeugen am Freitag in Hamburg als "anonyme Dreckschleuder" Er könne es nicht belegen, gehe aber davon aus, "dass der Mann dafür Geld bekommen hat". Das "Panorama"-Magazin bezeichnete er als "Schweinemagazin". Seine Haarprobe will er nur im Beisein eines Notars abgeben, damit sie nicht vertauscht werden könne. Danach werde er "den Dreckschleudern das Maul stopfen". In den Angriffen auf seine Person sieht er eine von der Opposition gesteuerte Kampagne.

Rückendeckung bekommt Schill von der CDU. Bürgermeister Ole von Beust hat die Entscheidung Schills, rechtliche Schritte einzuleiten, am Freitag begrüßt. Er geht davon aus, "dass der NDR der Bitte nachkommen wird, den Namen der Person zu nennen, die in der Panorama-Sendung Anschuldigungen gegen den Innensenator erhoben hat". Der NDR hat die Vorwürfe Schills zurückgewiesen. Man werde sich nicht einschüchtern lassen, heißt es in einer Stellungnahme. Mit Erstaunen habe man die Wortwahl Schills zur Kenntnis genommen und prüfe jetzt, "ob die Äußerungen Grundlage für straf- und zivilrechtliche Schritte gegen Schill bieten". Der Sender werde den Schutz des Informanten gewährleisten.

Darüber hinaus fordert die SPD Aufklärung über Schills Leibwächter während des Wahlkampfes. Schill hatte behauptet, die Männer hätten ehrenamtlich gearbeitet, er kenne sie kaum. Einer dieser Leibwächter hatte dagegen in "Panorama" gesagt, er sei "ganz normal" bezahlt worden. Der Film zeigt Schill und einen Leibwächter, der ihn duzt und mit Vornamen anredet, in einem vertraulichen Gespräch. Von zwei Bodyguards, die Schill bewacht hatten, ist inzwischen bekannt, dass sie wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoßes gegen das Waffengesetz vorbestraft sind.

Widersprüchliche Aussagen gibt es auch über die Gründe, die den bisherigen Hamburger Kripo-Chef, Gerhard Müller, kürzlich zum Rücktritt bewegt hatten. Schills Staatsrat, Walter Wellinghausen, hatte gesagt, die Gründe seien "höchst persönlicher Natur". Am Freitag zitierte die "Welt" aus dem Rücktrittsschreiben Müllers. Danach war der Hauptgrund mangelndes Vertrauen zum Innensenator. Er habe ein anderes Verständnis von "Wertmaßstäben und Sorgfalt". Angesichts seiner bisherigen Erfahrungen mit Schill "vermag ich nicht, das unabdingbare Vertrauen in den derzeitigen Präses der Behörde für Inneres aufzubringen".

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