Drohgebärde : Nordkorea bereitet angeblich Start von Interkontinentalrakete vor

Das stalinistisch regierte Nordkorea geht weiter auf Konfrontationskurs: Das Regime von Diktator Kim Jong Il will südkoreanischen Medienberichten zufolge anscheinend eine Interkontinentalrakete mit mehreren Tausend Kilometern Reichweite testen.

Seoul Nordkorea bereitet anscheinend den Test einer Interkontinentalrakete vor. Der südkoreanische und der US-Geheimdienst hätten vor kurzem einen Zug in Nordkorea gesichtet, der ein langes zylindrisches Objekt - vermutlich eine Taepodong-2-Rakete - transportiert habe, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap am Dienstag. Die Rakete könnte in einem oder zwei Monaten gestartet werden. Die Taepodong-2-Rakete kann nach Einschätzung des US-Militärs im Falle technischer Perfektionierung einen nuklearen Sprengkopf auf das Gebiet der USA tragen.

Der Teststart einer Taepodong-2 mit einer Reichweite von 6700 Kilometern würde die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel abermals verschärfen und zugleich die USA provozieren. Es sei jedoch unklar, ob das kommunistische Land mit den Startvorbereitungen nur die Aufmerksamkeit der USA auf sich lenken oder tatsächlich eine Langstreckenrakete abfeuern wolle, wurde ein Geheimdienstbeamter von Yonhap zitiert.

Früherer Raketentest scheiterte

Südkoreanische Medien hatten im vergangenen Jahr berichtet, dass Nordkorea Zündvorrichtungen eines Triebwerks für Interkontinentalraketen getestet habe. Dabei habe es sich vermutlich um ein Triebwerk für Taepodong-2-Raketen oder eine neue Version gehandelt, die mehr als 10.000 Kilometer fliegen könne. Nordkorea hatte im Juli 2006 von der Ostküste aus eine Taepodong-2-Rakete abgefeuert. Der Test war jedoch nach US-Angaben gescheitert. Im Oktober desselben Jahres unternahm Nordkorea zum ersten Mal einen Atomtest, der weltweit verurteilt wurde.

Nordkorea hatte zuletzt der Regierung in Seoul wiederholt mit Vernichtung gedroht. Am vergangenen Freitag erklärte Pjöngjang alle politischen und militärischen Vereinbarungen mit Südkorea für nichtig und warf der südkoreanischen Regierung vor, mehrere Vereinbarungen gebrochen und beide Länder so "an den Rand eines Krieges" gebracht zu haben. Der nordkoreanische Staatschef Kim Jong Il sagte laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA von Sonntag, sein Militär sei in der Lage, jeglichen überraschenden feindlichen Einmarsch mit nur einem Schlag zu stoppen. Die Beziehungen zwischen beiden koreanischen Staaten hatten sich seit dem Antritt einer konservativen Regierung in Seoul, die eine härtere Haltung gegenüber Pjöngjang als die liberale Vorgängerregierung vertritt, deutlich verschlechtert. (jam/dpa/AFP)

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