Drohkulisse : USA stellen Pakistan Ultimatum

Washington scheint allmählich die Geduld mit Pakistans Präsidenten Asif Ali Zardari zu verlieren. Die USA fordern eine Offensive gegen die Taliban.

Christine Möllhoff

Neu-Delhi - US-Präsident Barack Obama ging scharf mit der Zardari-Regierung ins Gericht: Sie sei offenbar unfähig, ihre Hausaufgaben zu machen. In Pakistan schürte das Donnerwetter Spekulationen, dass die USA einen Militärputsch abnicken oder Oppositionschef Nawaz Sharif den Rücken stärken könnten, falls Zardari nicht Besserung gelobt. Obama hat Zardari und Afghanistans Präsidenten Hamid Karsai für diese Woche ins Weiße Haus zitiert.

Kurz vor der Visite hofierten die USA demonstrativ Sharif und lobten das Militär für seine jüngste Offensive gegen die Taliban. US-General David Petraeus erhöhte den Druck auf Zardari noch und setzte ihm angeblich eine geheime Frist von zwei Wochen, die Taliban anzugehen. Ohne Rückhalt der USA dürfte sich der zwielichtige Witwer der ermordeten Benazir Bhutto, den Obamas Vorgänger Bush protegierte, nicht lange halten.

Die Drohkulisse dürfte dazu dienen, Zardari auf Kurs zu bringen. Für einen Militärcoup ist es zu früh, auch Militärchef Ashfaq Kayani soll eine Machtübernahme ablehnen. Pakistan hat nach achtjähriger Militärherrschaft erst seit gut einem Jahr wieder eine zivile Regierung. Zardari hat aber lieber Sharif bekämpft als sich um das Land zu kümmern. Bush hatte Sharif geächtet, weil er den Religiösen näher steht. Den USA dämmert nun, dass Sharif ein wertvoller Verbündeter sein könnte.

Washington wirft der Regierung vor, vor den Taliban zu kapitulieren. Zardari hat den Rebellen das Swat-Tal, ein früheres Ferienparadies, überlassen, um dort Frieden zu erkaufen.Viele Menschen in der erzkonservativen, von Terror gebeutelten Region hatten den Deal begrüßt. Die Taliban breiteten sich aber prompt in Nachbarbezirke wie Buner aus, das nur 100 Kilometer von Islamabad entfernt liegt. Das Militär hat vergangene Woche in Buner eine Offensive gestartet und angeblich bisher 80 Taliban getötet.Die Kämpfe dauerten am Sonntag noch an.

Obama ist offenbar hoch besorgt, dass die Regierung Zardari das Land ruiniert und so den Taliban in die Hände spielt. Die Regierung versage darin, den Bürgern Basisdienste zu bieten, wetterte der US-Präsident. Es fehlt nicht nur an Schulen und Hospitälern. Ganze Landstriche sind rechts- und gesetzeslose Räume. Die korrupten Gerichte tanzen nach der Pfeife der Reichen, die überforderte Polizei kann die Bürger nicht schützen.

In dieses Machtvakuum stoßen die Taliban vor. Dabei kopieren sie zusehends Taktiken etwa der maoistischen Rebellen in Indien und paaren Scharia mit Klassenkampf: Sie bewaffnen landlose Bauern und schicken sie gegen die Feudalherren los, die oft auch Politiker sind. In weiten Teilen Pakistans haben bis heute mächtige Feudalherren das Sagen, die die landlosen Bauern beinahe wie Sklaven halten. Christine Möllhoff

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