Politik : „Druck auf Rangun bringt nichts“

Sarah Kramer

Berlin - Die EU will die Sanktionen gegen Birmas Militärregierung verschärfen, die Vereinten Nationen schickten nach der Niederschlagung der Proteste im Land einen Sondergesandten: Die internationale Staatengemeinschaft will den Druck auf das Regime offenbar erhöhen. Die Berliner Birmanistin Uta Gärtner sagte dem Tagesspiegel, sie bezweifle, dass dies der richtige Weg sei, um die Lage im Land zu entschärfen.

„Druck bringt aus meiner Erfahrung mit dieser Regierung gar nichts“, sagt die Wissenschaftlerin. „Die militärische Führung ist so verhärtet in ihrer Position und so weit weg von der Realität, dass zu befürchten ist, dass sie dann noch mehr beißt“, sagt Gärtner. Nach Meinung der Birmaexpertin kann eine Entschärfung der Situation im Land nur dann möglich sein, wenn die Spitze der Militärregierung, wie etwa der 74-jährige General Than Shwe, abtritt – und durch gemäßigtes Personal ersetzt wird. Than Shwe ist seit 1992 an der Macht und somit Birmas dienstältester General. Er gilt als „Hardliner“, der die Öffentlichkeit scheut. „Leute mit mehr politischer Kompetenz und Verhandlungsbereitschaft wurden in den Hintergrund gedrängt“, sagt die Birmaexpertin. Es gebe aber nach wie vor in der zweiten und dritten Reihe gemäßigte Militärs, die Shwes Position übernehmen könnten. Offiziell werde der General aber wohl niemals zurücktreten. „Damit würde Shwe sein Gesicht verlieren“, sagt Gärtner.

Dass die buddhistischen Mönche, die die Proteste auf Birmas Straßen anführten, in Zukunft eine tragende Rolle im Land spielen könnten, hält die Wissenschaftlerin für unwahrscheinlich. Denn auch innerhalb des Ordens gebe es eine Hierarchie, deren Spitze mit den militärischen Machthabern verbandelt sei. Erst vor einer Woche habe es einen Aufruf der obersten Mönche an den Orden gegeben, sich auf die Verbreitung der buddhistischen Lehre zu konzentrieren. „Danach waren die Mönche von der Straße verschwunden.“ Sarah Kramer

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