Politik : Dschenin gegen Ramallah

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Jerusalem/New York (dpa). Viele Israelis fürchten nach der Ablehnung der UN-Kommission zur Prüfung der Geschehnisse in Dschenin eine immer stärkere internationale Isolierung. Israelische Medien kritisierten am Mittwoch einhellig den Entscheidungsprozess der Regierung in Jerusalem.

Die auflagenstärkste Zeitung „Jediot Achronot“ überschrieb ihren Leitartikel zu dem Thema mit „Oh weh!“ Viele glauben, gerade das heftige Sträuben der Regierung gegen eine internationale Untersuchung könne den Verdacht aufzwingen, Israel habe in Dschenin doch etwas zu verbergen.

Israelische Blätter zitierten am Mittwoch allerdings auch ausführliche Untersuchungen ausländischer Zeitungen in Dschenin, wie etwa der französischen „Libération“, die zu der Schlussfolgerung gelangten, es habe kein Massaker in dem Flüchtlingslager gegeben.

Informierte Kreise im New Yorker Hauptquartier der Vereinten Nationen gehen derweil davon aus, dass die Einschätzung der israelischen Zeitung „Haaretz“ richtig ist, wonach es einen Deal zwischen Israel und den USA gegeben haben soll: Scharon hebt auf Bitten von Bush die Belagerung Ramallahs und den Hausarrest für Arafat auf, und die Amerikaner sorgen mit ihrer Veto-Macht und ihrem Einfluss im Sicherheitsrat dafür, dass die Dschenin-Untersuchung unter den Tisch fällt. Ein Führer der radikalen palästinensischen Gruppe Islamischer Dschihad in Damaskus sprach denn auch von einem „stinkenden Kuhhandel“.

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