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Dschihadisten in Deutschland : Drei Rückkehrer aus Somalia festgenommen

Auf dem Frankfurter Flughafen sind drei Deutsche unter Terrorverdacht festgenommen worden. Bei den Männern handelt es sich angeblich um Mitglieder der radikalislamischen Schabaab-Miliz.

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Die Schabab-Milizen verüben immer wieder Anschläge in Somalias Hauptstadt Mogadischu.
Die Schabab-Milizen verüben immer wieder Anschläge in Somalias Hauptstadt Mogadischu.Foto: AFP

Drei Deutsche sind am Wochenende am Frankfurter Flughafen festgenommen worden, weil der radikalislamischen Schabaab-Miliz angehören sollen, die seit Jahren Somalia terrorisiert. Eine Sprecherin der Generalbundesanwaltschaft sagte am Montag, die Männer seien nach ihrer Rückkehr aus Kenia von Beamten des Bundeskriminalamts in Gewahrsam genommen und am Sonntag dem Haftrichter vorgeführt worden. Ihnen werde die Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung und die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vorgeworfen. Nach Informationen von SWRinfo kamen die Männer aus Ostafrika zurück, weil sie nicht weiter an den blutigen Kämpfen der Schabaab-Miliz teilnehmen wollten. Hinweise darauf, dass die Männer Anschlagspläne für Deutschland haben, gibt es dem Bericht zufolge nicht.

Terror-Tourismus aus Deutschland

Die drei Festgenommenen sind nicht die einzigen Deutschen, die sich islamistischen Gruppen im Ausland angeschlossen haben. Die meisten kämpfen in Syrien oder im Irak, unter anderem für die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), die sich durch besondere Grausamkeit und Brutalität auszeichnet. Der aus Berlin stammende Dschihadist Denis Cuspert, ein früherer Rapper, gehört nach Analyse des Berliner Verfassungsschutzes sogar zum engeren Kreis der Kämpfer des "Islamischen Staates". Insgesamt geht der Berliner Verfassungsschutz in einer aktuellen Lageanalyse von mehr als 400 Islamisten aus Deutschland, „die überaus meisten davon Salafisten“, die in den syrischen Bürgerkrieg gereist sind. Es gebe Hinweise, „dass bereits 40 dort verstorben sind“. Sicherheitsexperten berichten zudem, dass sich kaum noch Salafisten in die pakistanische Region Wasiristan begeben, die Hochburg der islamistischen Terrorszene an der Grenze zu Afghanistan. Syrien und jetzt auch Irak sind weit attraktiver, weil diese Schlachtfelder des heiligen Krieges leichter zu erreichen sind, vor allem über die Türkei.

Vergessener Krieg in Somalia

Doch auch die Schabaab-Miliz in Somalia zieht viele ausländische Islamisten an. Die genaue Zahl ist nicht bekannt. Die Terroristen der al Schabaab versuchen seit Jahren, die somalische Übergangsregierung zu stürzen und die Macht in dem völlig zerrütteten Land zu übernehmen. Bislang konnte sich die Regierung allerdings mit Unterstützung von Truppen anderer afrikanischer Staaten halten. Im vergangenen Jahr gelang den Terroristen ein spektakulärer Anschlag auch außerhalb Somalias: In Kenias Hauptstadt Nairobi. Dort überfielen sie ein Einkaufszentrum und töteten mindestens 60 Menschen. Die Schabaab-Milizen unterhalten auch Ausbildungslager für islamistische Kämpfer, die sie teilweise in Flüchtlingslagern im benachbarten Kenia rekrutieren. Dort vegetieren somalische Flüchtlinge ohne Perspektive vor sich hin, die in ihrem Gastgeberland zudem wachsende Ablehnung spüren.

Somalia bildet Kämpfer für al Qaida aus

Der bisherige Anführer der Gruppe kam vergangene Woche bei einem US-Luftangriff ums Leben. Al Schabaab hat dafür Rache geschworen und Scheich Ahmad Umar Abu Ubaidah zum neuen Chef erkoren. Zugleich bekräftigte sie ihre Verbundenheit zur Extremisten-Organisation al Qaida. Viele in Somalia ausgebildete Terroristen kämpfen daher auch in anderen Krisengebieten, im Nahen oder in Nigeria beispielsweise.

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