• Dubiose Villenverkäufe und zwielichtige Geschäfte - Anfang der neunziger Jahre hatte auch Berlins DRK seine Eklats

Politik : Dubiose Villenverkäufe und zwielichtige Geschäfte - Anfang der neunziger Jahre hatte auch Berlins DRK seine Eklats

Bernhard Koch

Unter den 19 Landesverbänden des Roten Kreuzes zähle Berlin nicht zu den "Sorgenkindern", meint Udo Pecher. Der 51-jährige Landesgeschäftsführer des Berliner Roten Kreuzes sagt mit Blick auf den Reformbedarf, den die Bundesspitze im gesamten Wohlfahrtsverband für dringend geboten hält: "Wir liegen im Mittelfeld." Die Kernforderung von DRK-Präsident Knut Ipsen lautet: "Das Vereinsgebaren muss gegen effiziente Professionalität ausgetauscht werden." Bis zum Jahresende sollen alle Landesfürsten Konzepte nach Bonn schicken, um das Rote Kreuz vor Skandalen, Misswirtschaft und Korruption besser zu schützen.

Pechers Befund zum inneren Zustand des Berliner Verbands mag für die letzten drei Jahre, in denen er verantwortlich ist, stimmen. Anfang der neunziger Jahre sah dies anders aus. Monatelang waren damals Führungskräfte im Visier von Polizei, Staatsanwälten und Richtern, ermittelt wurde wegen dubioser Villenverkäufe und zwielichtiger Geschäfte mit der Unterbringung von Asylbewerbern. Beim Verkauf von neun Villengrundstücken in Grunewald für 55 Millionen Mark ging es 1991 vor allem um Misswirtschaft. Die DRK-Führung, wegen Defiziten in Finanznot, ließ sich ohne Kenntnis des Immobilienmarktes auf den Deal ein. Der glückliche Käufer veräußerte die Villen wenig später für 66 Millionen Mark. Der Skandal um die Flüchtlingsheime, ebenfalls im Jahre 1991, handelte von handfester Korruption. Zu weit überhöhten Preisen hatten Rot-Kreuzler Mietverträge für sechs Wohnheime abgeschlossen und als Gegenleistung nach Ermittlungen der Justiz 400 000 Mark Provision vom Vermieter erhalten. Da der Senat die überhöhten Mietkosten nicht zahlte, entstanden dem Roten Kreuz jahrelang Millionenverluste.

Neue Manager begannen mit der Sanierung. Heute arbeiten 2500 Menschen beim Wohlfahrtsverband, vor drei Jahren waren es 200 mehr. Der Jahresumsatz sank in gleicher Frist von über 300 Millionen Mark auf rund 250 Millionen. Künftige Reformen betreffen etwa "Kerngeschäfte" wie Behindertenhilfe und Sozialstationen. Die zehn Behindertenheime und die 14 Sozialstationen sollen nicht mehr einzelne Kreisverbände führen, sondern unter dem Dach von Tochtergesellschaften betrieben werden, so Geschäftsführer Pecher. Neue Hilfsdienste wolle man für Senioren sowie Kinder und Jugendliche aufbauen.

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