Politik : Duell ohne Sieger

Jürgen Rüttgers und Hannelore Kraft halten das Rennen um NRW bei TV-Debatte offen

Stephan Haselberger
Duell. Hannelore Kraft und Jürgen Rüttgers vor ihrer Fernsehdebatte. Foto: dpa
Duell. Hannelore Kraft und Jürgen Rüttgers vor ihrer Fernsehdebatte. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Am Ende sieht Jürgen Rüttgers immer noch sehr staatsmännisch aus mit dunklem Anzug und schlohweißen Haaren, die vor der Kulisse des roten Backsteingemäuers der Kölner Vulkanhalle telegen leuchten. Der 58-jährige hat eine einstündige Debatte im WDR- Fernsehen mit einer selbstbewusst auftretenden SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft hinter sich, aber nun, in den letzten Minuten der Sendung, hat er allein das Wort. Rüttgers legt viel Wärme in seine Stimme. Es kommt jetzt darauf an. Er weiß das.

Fünf Jahre lang hat der 58-jährige CDU-Politiker das bevölkerungsreichste Bundesland in einer Koalition mit der FDP regiert. Seine Bilanz ist nicht so schlecht, wie SPD, Grüne und Linkspartei glauben machen wollen. Dennoch muss Rüttgers befürchten, bei der Wahl am 9. Mai sein Amt zu verlieren. Die schwarz-gelben Chaos-Monate in Berlin, der Dauerstreit um Steuersenkungen und jetzt auch noch die Griechenlandkrise – die Nachrichten aus der Hauptstadt machen Rüttgers schwer zu schaffen. Dazu kommen hausgemachte Skandale und Skandälchen wie die Sponsoring-Affäre oder die Video-Überwachung von Kontrahentin Kraft. Alles in allem sind das keine guten Voraussetzungen für einen Weiter-so-Wahlkampf.

Aber Rüttgers hat keine Wahl. „Nordrhein-Westfalen ist ein wunderschönes Land“, beginnt er. Stark sei dieses NRW geworden, ein großes Stück vorangekommen. Was dann folgt, kennt man aus Zeiten von Helmut Kohl, an dessen Kabinettstisch er einst saß. „Nordrhein-Westfalen muss stabil bleiben, damit es weiter aufwärts geht“, sagt Rüttgers.

Vor Rüttgers durfte Kraft unbehelligt von lästigen Moderatoren-Fragen direkt zu den Wählern sprechen. Erfolgreicher, gerechter und sozialer wolle sie NRW machen. Weg von der Ellbogengesellschaft, zurück zum sozialen Zusammenhalt. Kraft wirkt entschlossen, fast schon siegessicher. Die steigenden Umfragewerte für Rot-Grün verleihen ihr Auftrieb. Kraft hat sich von Rüttgers an diesem Abend nicht aus der Ruhe bringen lassen, obwohl der Amtsinhaber sie mehrfach direkt angegriffen hat. Er finde es nicht „ok“, dass Kraft den Kampf gegen extremistische Parteien verweigere und eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei nach der Wahl nicht ausschließe. Wenn die reinkomme, „ist es auch Ihre Schuld.“ Tatsächlich vermeidet Kraft auch an diesem Abend die eindeutige Festlegung. Rot- Rot-Grün ist ihr wunder Punkt.

Einig sind sich beide immerhin in der Annahme, dass der Wähler Farbenspiele leid sei, und sich anstatt für Koalitionen mehr für Inhalte interessiere. Man kann nicht sagen, dass diese an diesem Abend zu kurz gekommen wären. Finanzlage der Kommunen, Haushaltssituation, Schule und Bildung, Leiharbeit und Zuverdienstmöglichkeiten für Hartz-IV-Empfänger – Rüttgers und Kraft hatten viel Gelegenheit, ihre gegensätzlichen Konzepte vorzustellen. Ob die Zuschauer ihnen in den Details folgen konnten, ist eine andere Frage.

Einen eindeutigen Sieger bei diesem Fernseh-Zweikampf gab es nicht. Mal wirkte die Herausforderin ein wenig überlegen, mal der Amtsinhaber souveräner. Sollte sich nicht im Nachhinein herausstellen, dass einer von beiden mit falschen Zahlen operiert hat, dürfte dieses Duell keinen Umschwung der politischen Stimmung zur Folge haben. Das Rennen zwischen Rüttgers und Kraft bleibt offen.

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