Politik : Durchatmenund Aufatmen

Schröder ist erfreut, und die Union hofft auf das Ende des Irak-Themas

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Von Robert Birnbaum

Am Dienstagnachmittag im Kanzleramt erscheint der Staatsmann in Person. „Es geht jetzt nicht um Streit über die Frage, wer wann was macht“, sagt Gerhard Schröder. Er sagt das später sinngemäß noch einmal, bei der Frage nämlich, ob nicht das Einlenken des Irak in der Waffeninspekteurs-Frage mit der von den USA und anderen aufgebauten Drohkulisse zu tun habe. Es gibt eben Fragen, die passen dem Kanzler fünf Tage vor der Bundestagswahl nicht. Nein, Schröder wollte vor die Kameras treten, um sich erfreut zu zeigen. Er begrüße die Bereitschaft Bagdads als ganz wichtigen Schritt auf einem Weg, „den wir immer für richtig gehalten haben“. Als großen Erfolg der Vereinten Nationen auch und ihres Generalsekretärs Kofi Annan. Mit dem er übrigens jetzt gleich telefonieren wolle – und ihm, falls die Uno das wünsche, zusätzliche deutsche Experten für die Waffen-Inspektion anbieten: Fachleute für Bio- und Chemiewaffen und für Raketentechnik, auch Laborkapazitäten stünden bereit. Der Kanzler, soll das offenkundig demonstrieren, der tut was.

Edmund Stoiber zeigt sich auch erfreut. Aber anders als beim Kanzler wirkt beim Kandidaten die Freude ganz ungetrübt, und sie bezieht sich nicht nur auf das Signal aus Bagdad. „Die Entwicklung in dieser Nacht zeigt, dass Schröder mit seinem Alleingang völlig daneben liegt“, wettert Stoiber. Zu der Drohkulisse, unter deren Eindruck Saddam einschwenkt sei, habe die Bundesregierung „nichts beigetragen“, im Gegenteil. Wobei Stoiber zu erkennen gibt, dass er den Worten aus Bagdad nicht ganz traut: Vielleicht glaube der Irak mit seinem Einlenken eine neue UN-Resolution verhindern zu können.

Vor allem aber glaubt Stoiber vernommen zu haben, dass die Menschen „aufatmen“. Die Beobachtung stimmt gewiss für eine kleine Gruppe Menschen: Das Wahlkampf-Team der Union hat bei seinem letzten Treffen im Konrad-Adenauer-Haus aufgeatmet. Fünf Tage bis zur Wahl sind eine kurze Zeit. Aber zum ersten Mal zeigt sich Hoffnung, dass das Thema Krieg und Frieden, das der Union so schwer zu schaffen macht, doch an Bedeutung verlieren könnte. Stoiber beschwört denn auch sofort einen „sehr, sehr deutlichen Stimmungswandel“.

Ein bisschen aufgeatmet hat die Führung der Union auch bei den neuesten Nachrichten aus Allensbach: Die Umfrageforscher vom Bodensee, so drang nach Berlin, werden in ihrer neuen Umfrage am Mittwoch weiter ein Kopf-an-Kopf-Rennen vermelden.

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