Politik : Durchbruch dringend gesucht Der Papst empfängt Israels Präsidenten Katsav

Paul Kreiner[Rom]

Israels Staatspräsident Mosche Katsav ist einer der wenigen Politiker auf der Welt, der das darf: einen Staatsbesuch in Italien mit einem im Vatikan verbinden. Sonst reagiert die katholische Kirche recht verschnupft auf solche Rationalisierungsversuche im politischen Reisewesen; sie sieht sich dann immer zum „Zweitziel“ degradiert – umso höher ist es einzustufen, wenn sie eine Ausnahme zulässt.

Ganz anders als die religiösen Beziehungen zwischen katholischem Christentum und Judentum, die freundschaftlich bis herzlich und vor allem reibungsarm fortlaufen, gestalten sich die politischen Kontakte zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Staat Israel. Zwar gibt es seit 1994 diplomatische Beziehungen, aber der überhaupt erste, der „Grundlagenvertrag“ zwischen den beiden Staaten von 1993, ist in Israel noch immer nicht geltendes Recht. Das Parlament hat ihn nicht ratifiziert – das verärgert den Vatikan zunehmend.

Wie blank die Nerven liegen, zeigte sich Ende Juli, als ein Beamter des israelischen Außenministeriums dem Papst vorwarf, zwar Terroropfer in aller Welt zu beklagen, die israelischen Opfer palästinensischer Anschläge aber mit Absicht zu verschweigen. Das vatikanische Staatssekretariat konterte so scharf wie nie. Man lasse sich von Israel „nichts vorschreiben“: „Nicht immer war es möglich, ein Attentat gegen Israel sofort öffentlich zu verurteilen, unter anderem deshalb, weil solchen Anschlägen zuweilen israelische Reaktionen folgten, die nicht mit internationalem Recht vereinbar waren. Es wäre demnach unmöglich gewesen, das eine (gegen Israel) zu verurteilen und das andere (von Israel) zu verschweigen.“ Mittlerweile ist der Adrenalinspiegel auf beiden Seiten wieder gesunken. Staatschef Katsav sagte sich bei Benedikt XVI. für Donnerstag zum Freundschaftsbesuch an. Ziel: ein Durchbruch in den bilateralen Beziehungen. Katsav teilte am Mittwoch mit, er wolle den Papst zu einem Staatsbesuch nach Israel einladen.

Die Verhandlungen zwischen den beiden Staaten über die praktische Umsetzung des Grundlagenvertrags haben erst 1999 begonnen, und mehr als ein Treffen pro Jahr gestand Israel bisher nicht zu. Während auf israelischer Seite die politischen Forderungen des Vatikans als maßlos, unerfüllbar oder unpraktikabel beurteilt werden, meinen selbst jüdische Beobachter in Rom, dass große Hindernisse vor allem in Jerusalem zu suchen seien: die ideologische Abneigung religiöser Parteien gegen Zugeständnisse an andere Religionen oder an fremde Staaten, die auf dem Boden Israels irgendwelche Rechte beanspruchten.

Das aber tut der Vatikan. Er wirft Israel einen unzulässigen Absolutheitsanspruch auf die heiligen Stätten dreier Religionen (Judentum, Christentum, Islam) vor. Er fordert unter Berufung auf altes osmanisches Recht die Beibehaltung der Steuerfreiheit für kirchliche Einrichtungen in Israel; nur so könnten Schulen, Hospize, Hotels, Klöster und Hochschulen überleben. Nicht zuletzt würde der Vatikan gern eine heilige Stätte zurückerstattet und vom Museum in eine Kirche verwandelt sehen: den Saal, in dem Jesus vor seiner Hinrichtung mit den zwölf Aposteln das „Letzte Abendmahl“ gehalten haben soll.

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