Durchgangslager : Friedland soll Flüchtlingen Sicherheit vermitteln

Das Grenzlager Friedland bereitet sich auf die Aufnahme der irakischen Flüchtlinge vor. Das Lager wird zu einer Durchgangsstation für rund 2500 Iraker, die vor dem Bürgerkrieg auf der Flucht sind. Die Mehrheit sind Christen.

Reimar Paul

Friedland Der "Heimkehrer" tritt erhobenen Hauptes den Stacheldraht nieder. Das rund vier Meter hohe Denkmal aus Muschelkalk steht am Eingang zum Grenzdurchgangslager Friedland, das 1945 von den Alliierten als Camp für Vertriebene, Heimatlose und entlassene Kriegsgefangene errichtet wurde. Die Menschen, die demnächst hier ankommen, dürfte das wuchtige Denkmal kaum an ihre Heimat erinnern. Das Lager Friedland wird zur Durchgangsstation für rund 2500 irakische Bürgerkriegsflüchtlinge, deren Aufnahme Deutschland im November zugesagt hatte. Weitere 7500 kommen in andere EU-Staaten. Die meisten von ihnen sind Christen, eine Minderheit gehört anderen im Irak verfolgten Religionsgemeinschaften an.

Die erste Gruppe von etwa 140 Flüchtlingen wird nächste Woche in Friedland erwartet. Nach Behördenangaben sind es allesamt sogenannte Härtefälle wie Kranke, Minderjährige, alleinerziehende Mütter und Folteropfer. Vertreter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge und des UN-Flüchtlingshilfswerk hatten diese Iraker in den vergangenen Wochen in den überfüllten jordanischen und syrischen Flüchtlingslagern nach Befragungen ausgewählt. Lagerleitung und Hilfswerke bereiten sich seit Wochen auf die Neuankömmlinge vor. "Wir sind gut gerüstet", sagt Lagerleiter Heinrich Hörnschemeyer. "Wir wollen diesen Menschen das Gefühl geben, dass sie hier willkommen und in Sicherheit sind." Mehrere neue Dolmetscher für Arabisch wurden verpflichtet, die Lagerköche hätten sich über die Bedürfnisse der Iraker informiert: "Sie werden hier ganz bestimmt nicht jeden Tag Kartoffeln bekommen", verspricht Hörneschemeyer.

Von Friedland aus geht es zu Integrationskursen in den Bundesländern

Neben den rund 100 Mitarbeitern der Lagerverwaltung wollen sich in Friedland auch das Rote Kreuz, der katholische Caritas-Verband und die evangelische Innere Mission um die Flüchtlinge kümmern. "Alle Hilfswerke hier arbeiten eng zusammen", berichtet Lagerpastor Martin Steinberg. Den Irakern stünden unter anderem eine Kleiderkammer und ein Beratungsdienst zur Verfügung. In der evangelischen Lagerkapelle sollen auch Gottesdienste angeboten werden. Die Iraker bleiben etwa zwei Wochen im Lager, um dann Platz für das nächste Kontingent zu machen. Von Friedland aus werden sie zu Integrationskursen auf die Bundesländer verteilt. Die den Ländern Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen zugeteilten Flüchtlinge sollen diese dreimonatigen Kurse allerdings noch im Lager Friedland durchlaufen. Die Flüchtlinge werden in Häusern untergebracht, die derzeit für Spätaussiedler nicht benötigt werden. Friedland, das nunmehr das wegen der immer weiter zurückgehenden Aussiedlerzahlen seit einigen Jahren das einzige Aufnahmelager in Deutschland, hat derzeit noch eine Kapazität von rund 1000 Betten. Davon sind 50 von frisch angekommenen Spätaussiedlern belegt und 500 weitere durch Aussiedler, die dort sechsmonatige Integrationskurse absolvieren.

Mehr als vier Millionen Menschen haben bis heute das von Politikern gern als "Tor zur Freiheit" bezeichnete Lager passiert. Obwohl Aussiedler aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion in den vergangenen Jahrzehnten die große Mehrheit der Ankömmlinge stellten, fanden in dem kleinen Dorf bei Göttingen immer wieder auch Flüchtlinge aus anderen Ländern vorübergehend Aufnahme. Rund 3000 Ungarn, die nach dem gescheiterten Aufstand ihr Land verlassen hatten, erreichten das Lager 1956. In den sechziger Jahren kamen verfolgte Pinochet-Gegner aus Chile, später "Boat People" aus Vietnam und Flüchtlinge aus Albanien.

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