Politik : Durst und Politik

Robert von Rimscha

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Politiker sind Menschen, und Menschen trinken. Edmund Stoiber goutierte lange, zwecks Schonung seiner andernfalls leicht ins Heisere abgleitenden Stimme, einen ordentlichen Salbei-Tee. Davon bedurfte er reichlicher Mengen, weshalb der Bayer seinen Salbei-Tee gern im Ton-Bierkrug zu sich nahm. Irgendwann, so fiel nun auf, stieg der CSU-Boss um auf Glas-Bierkrüge. In denen wirkt der milchig-helle Salbei-Tee wie Blue Curacao in der Bordeaux-Flasche. Das ging also nicht. Und deshalb lässt Edmund Stoiber heutzutage Apfelschorle in seine Bierkrüge füllen. Ob die seine Stimmbänder so gut zu schützen vermag wie der Salbei-Tee, wissen wir nicht, es handelt sich aber fraglos um eine farbliche Annäherung an Bier.

Inklusive Kohlensäure. So. Vergangene Woche war Stoiber der Gastgeber seiner Kollegen, der Ministerpräsidenten der Republik. Daheim in München zeigte sich Stoiber spendabel und urban. Das begleitende Musikprogramm war weniger bajuwarisch als modernistisch. Bayern von seiner besten Seite also. Wobei Stoiber natürlich auch seinen protokollarischen Pflichten nachkam und seinem Vorgänger als Chef der Ministerpräsidentenkonferenz gratulierte und dankte. Wie man das so macht als Regierungschef, gab es begleitend zu den lobenden Worten ein Geschenk. Also bekam Ole von Beust, der Hamburger Parteifreund, Hochprozentiges. Wir wissen nicht, ob Klaus Wowereit einfach nur müde oder gelangweilt war. Uns wurde aber zugetragen, dass Wowereit das Behältnis mit dem Hochprozentigen so anblickte, dass Stoiber den Berliner glaubte beruhigen zu müssen: Jetzt schaun se mal nicht so gierig, Sie sind doch morgen eh beim Presseball, da gibt’s doch genug!

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