E-Autos : Gemeinsames Ladenetz ist ein überfälliger Befreiungsschlag

Endlich schneller laden: Vier große Autohersteller sorgen jetzt selbst für die fehlende Schnelllade-Infrastruktur. Das ist ein überfälliger Schritt. Ein Kommentar

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Den E-Tiger in den Tank: Ein Elektroauto wird geladen.
Den E-Tiger in den Tank: Ein Elektroauto wird geladen.Foto: dpa

Es ist das Henne-Ei-Problem: Ohne Steckdose nützt das beste Elektroauto nichts, und umgekehrt ist eine steigende Nachfrage nach E-Autos davon abhängig, dass es genug Ladesäulen gibt. Nur dann verlieren Familien die Angst, beim Ausflug liegen zu bleiben oder in den Städten verzweifelt Steckdosen zu suchen, um es morgens zur Arbeit zu schaffen. Beispiel Berlin: Der Senat sieht keine Nachfrage, weil es zu wenig E-Fahrzeuge gibt, und die E-Auto-Nutzer klagen über fehlende Ladesäulen. Jetzt könnte die Blockade ein Ende haben. Das Vorhaben von BMW, Daimler, Ford, Porsche und Audi, gemeinsam ein Ladenetz zu bauen, ist ein wichtiger Schritt und ein überfälliger Befreiungsschlag.

Um den Absatz anzukurbeln, das haben die Hersteller erkannt, braucht es eben mehr als die staatliche Kaufprämie – nur 5800 Käufer ließen sich davon überzeugen. Weltweit weiterhin Leitanbieter für Qualitätsautos bleiben die Hersteller aber nur, wenn Deutschland selber ein Leitmarkt für die E-Auto-Nutzung wird. Über die Zukunft der Branche entscheidet deshalb ein dichtes Ladenetz – bislang gibt es hier nur 6000 Säulen.

An den Autobahnen baut die Regierung Stromstationen

Doch die Hoffnung der Hersteller, die Energiewirtschaft und die Kommunen würden genug investieren, hat sich nicht erfüllt. Nun müssen sie selbst ran. Die Zeit läuft dabei gegen die Hersteller, weil diese neue E-Modelle angekündigt haben. Es ist freilich nur ein Anfang, dass die Unternehmen an Europas großen Verkehrsachsen 400 Schnellladestationen aufbauen wollen. Allein Tesla bietet mehr Ladestationen an. Aber Deutschlands Autobauer versprechen bis 2020 schon tausende Stationen. Die Bundesregierung finanziert daneben an allen 400 deutschen Autobahnraststätten Schnellladestationen. So kann ein Netz draus werden. Berlin, immerhin Projektstadt für Elektromobilität, könnte diesen Schwung gut gebrauchen. Bisher blieb es bei vollmundigen Ankündigungen: Von den für 2016 versprochenen 400 Ladestationen wurden nur 260 installiert. Weitere 180 Säulen sind nur von RWE-Kunden nutzbar. Auch da gibt es etwas zu tun für Rot-Rot-Grün.

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