Politik : E-Mail stoppt Bischof

Wegen Vorwürfen wird die Wahl von Homosexuellem verschoben

Matthias B. Krause[New York]

Von Matthias B. Krause,

New York

Die E-Mail wenige Stunden vor der entscheidenden Abstimmung schlug wie eine Bombe ein. Weil ein Gemeindemitglied Reverend Gene Robinson darin beschuldigt, ihn vor zwei Jahren auf einem Kongress während eines Gesprächs „ungehörig angefasst" zu haben, wurde dessen Wahl zum anglikanischen Bischof New Hampshires am Dienstagabend auf der Hauptversammlung der US-Episkopalkirche in Minneapolis in letzter Minute auf unbestimmte Zeit verschoben. Mit rund 2,1 Millionen Mitgliedern ist die Episkopalkirche die zehntgrößte protestantische Glaubensgemeinschaft der USA. Der Streit, ob Robinson als erster bekennender Homosexueller das Kirchenamt bekleiden soll, hatte die Glaubensgemeinschaft in den vergangenen Wochen an den Rand der Spaltung geführt.

Der 56-jährige Reverend ist geschieden, hat zwei Kinder und lebt seit Jahren mit einem Mann zusammen. Nachdem er am Sonntag im ersten Wahlgang erfolgreich gewesen war, galt seine Berufung durch die Bischofsversammlung nur noch als Formsache. Der Vorsitzende Bischof Frank T. Griswold kündigte nun eine „sorgfältige Untersuchung“ des Falles an. Neben den Vorwürfen der sexuellen Belästigung waren auch Anschuldigungen aufgetaucht, Robinson habe Geschäftsverbindungen zu einer Internet-Seite, die mit Seiten pornografischen Inhalts verlinkt sei.

Die plötzliche Wendung auf der Synode hat den Graben zwischen den Kirchenmitgliedern weiter aufgerissen. „Ich bin überrascht zu sehen, dass ich einer Gruppe angehöre, in der so viel Hass und Zwietracht herrscht“, sagte Diana Bingham, eine Robinson-Anhängerin, der „New York Times“. Reverend Donald Armstrong, berichtet das Blatt, habe dagegen solche Vorwürfe kommen sehen. „Was hier passiert ist, dass die Kirche versucht, eine Funktionsstörung gutzuheißen und zu normalisieren“, sagte Armstrong. Er legte Robinson nahe, seine Kandidatur zurückzuziehen. Der Beschuldigte selbst äußerte sich zunächst nicht, fordert laut Pressedienst der Kirche aber eine Untersuchung.

Doch nicht nur in den Kirchen wird über die Rechte Homosexueller debattiert. Weil Kanada vor einigen Wochen die Homo-Ehe zuließ und der oberste US-Gerichtshof die Sodomie-Gesetze in Texas für ungültig erklärte, befürchten Konservative, dem Moralverfall werde Tür und Tor geöffnet. Nach einer Umfrage des TV-Senders CBS und der „New York Times“ sind 70 Prozent der Republikaner gegen eine Homo-Ehe, bei den Demokraten sind es 50 Prozent.

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