E10-Benzin : FDP: Verkauf von Biosprit stoppen

Nach dem Chaos an deutschen Tankstellen in den letzten Wochen will die FDP nun die Einführung des Biokraftstoffs E10 kurzfristig stoppen. Die Hersteller halten den Kraftstoff für fast alle Autos geeignet.

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Berlin - Nach dem Chaos an deutschen Tankstellen in den letzten Wochen will die FDP nun die Einführung des Biokraftstoffs E10 kurzfristig stoppen. „Die Verbraucher müssen zunächst Klarheit und Sicherheit bekommen“, sagte der verkehrspolitische Sprecher der Partei im Bundestag, Patrick Döring, dem Tagesspiegel. Dann würden sie den neuen Kraftstoff auch kaufen. „Auf ein paar Monate mehr oder weniger“ käme es dabei nicht an.

An diesem Dienstag wollen sich die beteiligten Bundesministerien, Automobil- und Kraftstoffhersteller zu einem „Benzin-Gipfel“ in Berlin treffen, zu dem FDP- Wirtschaftsminister Rainer Brüderle eingeladen hat, obwohl eigentlich das Umweltministerium für die Einführung des neuen Kraftstoffes verantwortlich ist.

Brüderle stellte in Aussicht, dass der Gipfel beschließen könnte, dass das Kraftfahrzeugbundesamt alle Autofahrer informiert, deren Fahrzeug nicht E10-geeignet ist: „Das ist eine Möglichkeit“, sagte er, „so vielleicht am schnellsten die betroffenen Autohalter, die Fahrzeuge haben, die gefährdet wären“ zu erreichen.

Zuvor hatten die Benzinhersteller über einen „Käuferstreik“ bei dem neuen Kraftstoff berichtet und den Verkauf gedrosselt. Als Hauptursache der Verbraucherzurückhaltung gilt die breite Verunsicherung darüber, welche Kraftfahrzeuge mit dem mit zehn Prozent Bio-Ethanol versetzten Kraftstoff unbedenklich fahren können.

FDP-Verkehrspolitiker Döring wies Industrie und Politik die Schuld für die Verunsicherung gleichermaßen zu. Die Fahrzeughersteller forderte er zu „rechtsverbindlichen“ Aussagen über die Verträglichkeit des Kraftstoffes für ihre Fahrzeuge auf. Die Bundesregierung müsse auch besser über die ökologischen Effekte des E10 informieren. Oppositionspolitiker wie der Grünen-Verkehrsexperte Winfried Hermann hatten der Regierung vorgeworfen, die vorsorgende Koordination bei der Produkteinführung vergessen zu haben.

Unterdessen wurden Äußerungen eines BMW-Mitarbeiters, Motoren könnten durch E10 stärker als bekannt in Mitleidenschaft gezogen werden, vom Unternehmen zurückgewiesen. Ein BMW-Sprecher betonte, an der grundsätzlichen Einschätzung habe sich nichts geändert: „In allen BMW-Pkw-Modellen sämtlicher Baujahre ist der unbedenkliche Einsatz von E10-Kraftstoffen möglich.“ Auch ein Daimler-Sprecher sagte, es gebe keine Erkenntnisse, dass Wagen des Stuttgarter Herstellers wegen des neuen Kraftstoffs häufiger zum Ölwechsel müssten oder andere Probleme hätten. 95 Prozent der Daimler-Autos, die jünger als 25 Jahre sind, schafften es „locker“, mit dem E10- Benzin klarzukommen.

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