Ebola-Fall in den USA : Eine Welt, ein Immunsystem

Der erste Ebola-Fall, der in der westlichen Welt diagnostiziert wurde zeigt: Die Gesundheit der Deutschen wird auch in Afrika verteidigt. Ein Kommentar.

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Ein Mitarbeiter der US-Gesundheitsbehörde CDC (Centers for Desease Control) experimentiert in einem Labor mit Viren.
Ein Mitarbeiter der US-Gesundheitsbehörde CDC (Centers for Desease Control) experimentiert in einem Labor mit Viren.Foto: dpa

Als Bundesverteidigungsminister Peter Struck einst das inzwischen geflügelte Wort prägte, dass „die Sicherheit Deutschlands auch am Hindukusch verteidigt wird“, da dachte er an Terroranschläge, nicht an Viren. Am Dienstag nun wurde bei einem ersten Patienten außerhalb Afrikas Ebola diagnostiziert, in den USA. Seither darf sich jeder Deutsche fragen, ob die Bundesregierung in Afrika präsent genug ist, um die im Grundgesetz verankerte körperliche Unversehrtheit seiner Bürger zu garantieren. Denn sei es Ebola, Mers, Sars oder Influenza – die Gesundheit der Menschen hier kann längst nicht mehr innerhalb der hiesigen Grenzen verteidigt werden. Die Gefahren müssen vielmehr immer häufiger in vergessenen und vernachlässigten Regionen Afrikas, in mexikanischen Elendsvierteln oder in den Kriegsgebieten im Nahen Osten aufgehalten werden. Denn dort nehmen Epidemien und Pandemien ihren Anfang.

Deutschland ist nicht im Ansatz darauf eingestellt, in Ebola-Regionen effizient zu helfen

Deutschland ist nicht im Ansatz darauf eingestellt, dort frühzeitig und schlagkräftig einzugreifen. Die zuständigen Institutionen wie das Robert-Koch-Institut in Berlin oder das Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg werden allein gelassen und müssen ihre Unterstützung aus ihrem normalen Forschungsetat stemmen.

Gerade einmal eine Million Euro wollte die Bundesregierung im August für die Bekämpfung der zu diesem Zeitpunkt schon außer Kontrolle geratenen Ebola-Epidemie bereitstellen. Inzwischen sollen 17 Millionen fließen. Ein lächerlicher Betrag. Allein die Gates-Stiftung stellt 50 Millionen Dollar frei.

Es ist Unterstützung in ganz anderen Dimensionen nötig. In den Ländern fehlt es nicht an hektischer Last-Minute-Hilfe, sondern an medizinischer Infrastruktur. Der Grund dafür, dass sich Ebola weder in den USA noch hierzulande so verbreiten können wird wie in Liberia, ist: Industrienationen haben ein effektives Gesundheitssystem - selbst wenn nun bekannt wurde, dass die US-Klinik in Texas den Ebola-Patienten zunächst nach Hause schickte. Nur durch ein effizientes Gesundheitssystem, nicht mit Wundermedikamenten, lassen sich Seuchen bekämpfen. Das beweist Nigeria: Dort ist die Seuche unter Kontrolle, weil den Viren ein relativ intaktes Gesundheitssystem gegenüberstand.

Um Ebola zu bekämpfen, muss teure Ausrüstung eben auch außerhalb von Krisen vorgehalten werden

Solche Strukturen aufbauen zu helfen, wäre Aufgabe einer vorausschauenden Politik, und zwar nicht einer gönnerhaften Entwicklungshilfepolitik, sondern auch einer Gesundheitspolitik im Interesse der eigenen Bürger. Dazu ist allerdings ernst gemeinte Auseinandersetzung mit den Problemen dieser Länder nötig.

Unabhängig davon braucht es endlich eine „Schnelle Eingreiftruppe“, damit das unwürdige wochenlange Gerede, was zu tun und wie es zu finanzieren wäre, endlich aufhört. Teams aus Ärzten, Pflegern und Forschern sollten Budgets und Ausrüstung vorhalten können, die in den Zeiten zwischen den Epidemien auch mal brachliegen dürfen. Dieses öffentliche Geld wäre besser angelegt als in jedem Flughafenprojekt. Denn es besteht die Wahrscheinlichkeit, dass Ebola nicht mehr so wie sonst im Urwald verschwindet. Der Ebola-Entdecker Peter Piot warnt bereits, dass das Virus im Menschen endemisch werden könnte. Dann ginge von den betroffenen Ländern eine stete Gefahr aus. Zeit, sich endlich dagegen zu wappnen.

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