Ebola in Westafrika : Erste deutsche Helfer beginnen mit Ausbildung

Der deutsche Ebola-Beauftragte der Bundesregierung hat Westafrika besucht. Die Lage dort nennt er bedrückend - und er verspricht nun schnelle Hilfe.

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Schutzanzüge gegen Ebola sind für die Helfer, hier in Monrovia, eine Lebensversicherung.
Schutzanzüge gegen Ebola sind für die Helfer, hier in Monrovia, eine Lebensversicherung.Foto: AFP

Die deutsche Hilfe im Kampf gegen Ebola soll in den nächsten Wochen konkret anlaufen. "Wir werden sehr bald in der Lage sein, unsere Kapazitäten von derzeit 26 Betten zu erhöhen", sagte der Ebola-Beauftragte der Bundesregierung, Walter Lindner, am Montag in Berlin. In Hamburg und Würzburg laufe am heutigen Montag die Ausbildung deutscher Helfer für Westafrika an. Genaue Zahlen zu Helfern und Betten wollte Lindner nicht nennen, regierungsintern wird aber von 300 Betten gesprochen, die das DRK mit Hilfe der Bundeswehr in Liberia und Sierra Leona einrichten will.

Keine Zeit zur Aufarbeitung

Wie schon Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) gesteht auch er ein, dass die internationale Hilfe zu spät eingesetzt hat. "Es stimmt, wir sind zu spät aufgewacht, aber für eine Aufarbeitung unserer Fehler ist jetzt nicht die richtige Zeit," sagt Lindner. Nun gehe es darum, schnell neue Behandlungszentren aufzubauen und genügend Helfer auszubilden. "Und es ist wichtig, die Hilfe einzelner Länder zu koordinieren. Das geschieht nun." Der Kampf gegen Ebola sei nicht verloren, betonte der deutsche Sonderbeauftragte.

Bedrückende Lage

Lindner war in der vergangenen Woche in den von Ebola betroffenen Gebieten unterwegs. Die Lage dort sei "bedrückend", sagt er. "In der ganzen Region gibt es kein anderes Thema mehr." Liberias Regierungschefin habe eine "no touch" Initiative ausgerufen, das heißt, die Menschen sollten darauf verzichten, sich zu berühren oder zu eng zusammen zu stehen. "Das ist für ein afrikanisches Land, in dem soziale Kontakte eine große Rolle spielen, ein großer Einschnitt," erklärt Lindner. Er sprach sich klar dagegen aus, die von Ebola betroffenen Länder zu isolieren. "Das hätte schlimme psychologische Folgen für die Menschen dort", sagt er. Flugverbindungen nach Liberia, Sierra Leone und Guinea sollten daher in jedem Fall aufrecht erhalten werden.

Nicht nur die Weltgemeinschaft hat Fehler gemacht

Die Helfer in der Region leisteten "Unvorstellbares", fügte Lindner hinzu. Liberias Botschafterin Ethel Davis, die am Montag gemeinsam mit Linder am Weltgesundheitsgipfel in Berlin teilnahm, sagte dem Tagesspiegel, dass sehr viele Ärzte und Schwestern bereits gestorben seien, weil sie sich bei der Behandlung von Ebola-Patienten selbst mit dem Virus angesteckt hätten. "Vor der Epidemie hatten wir einen Arzt für 75.000 Patienten, jetzt kommt ein Arzt auf 100.000 Patienten", erläuterte sie. Auch sie sagt, die Epidemie sei zu lange unterschätzt worden. "Ich will dafür aber nicht allein die internationale Gemeinschaft dafür verantwortlich machen. Wir haben alle Fehler gemacht", so Davis weiter.

In der Vergangenheit seien Ebola-Ausbrüche in Afrika immer begrenzt geblieben und damit beherrschbar. "Doch jetzt hat die Krankheit auch die Hauptstädte erreicht, wo viele Menschen leben." Nach langen Jahren des Bürgerkriegs sei das Gesundheitssystem Liberias noch nicht in der Lage, mit einer solchen Herausforderung fertig zu werden. "Wir brauchen vor allem besseren Schutz und eine bessere Ausbildung für unser Gesundheitspersonal", sagt Davis. Doch auch wirtschaftliche Hilfen seien erforderlich, weil die Wirtschaften in den betroffenen Ländern zusammengebrochen seien. Insgesamt herrsche in Liberia eine Atmosphäre von Panik und Angst. "Ich sage allen, mit denen ich telefoniere, sie sollen zu Hause bleiben, doch die meisten müssen ja rausgehen", berichtet Davis von persönlichen Gesprächen mit Verwandten und Freunden in Liberia.

Lob für Deutschland

Davis lobte, dass Deutschland mit Lindner einen Sonderbeauftragen für Ebola ernannt hat. "Es ist besser spät zu handeln und dann gut als gar nichts zu machen wie andere Länder." Insgesamt wird die Zahl der Ebola-Erkrankten auf weltweit mehr als 9.000 geschätzt. Die Weltgesundheitsorganisation WHO nennt in einem Bericht 9.216 bestätigte oder wahrscheinliche Fälle. Sie fordert 7000 zusätzliche Betten für Ebola-Patienten in Westafrika für die rund 35.000 Helfer benötigt würden. Beides ist nicht einfach. Denn in den betroffenen Ländern fehlt es nicht nur an der Infrastruktur für neue Behandlungszentren, etwa an Strom, auch die Zahl der Helfer, die nun zusätzlich ausgebildet werden, ist von den genannten Zahlen weit entfernt. "Es reicht aber nicht, irgendwo ein Feldlazarett hinzustellen", sagte Reinhard Burger, der Präsident des Robert Koch Instituts, dem Tagesspiegel.

Bisher haben sich beim Roten Kreuz 1746 Interessenten gemeldet und 453 auch konkret beworben. Doch nur 188, davon etwa 70 Ärzte, haben die erste Prüfung mit Blick auf Berufserfahrung, Tropentauglichkeit und Sprachkenntnisse überstanden. Für die beiden Behandlungsstationen, die das Rote Kreuz in Sierra Leone und Liberia aufbauen möchte – erstere allein, letztere mit Hilfe der Bundeswehr - sind das viel zu wenige, wenn die Pausenzeiten eingehalten werden sollen. Schließlich müssen die Helfer auch im Einsatz schon nach wenigen Stunden abgelöst werden, weil das Arbeiten in Schutzkleidung angesichts afrikanischer Temperaturen extrem anstrengend ist.

Gefahr für Helfer nicht ausgeschlossen

Burger warnt: "Der Anstieg der Fälle ist rasant. Man muss jetzt die Ansteckungskette stoppen." Er ist aber optimistisch, dass die nun anlaufende internationale Hilfe den Durchbruch bringen kann. Oberstes Gebot müsse dabei jedoch die Sicherheit der Helfer haben. Unter den klimatischen und institutionellen Bedingungen in Afrika dürften Helfer nur kurz eingesetzt werden. "Nach drei bis vier Wochen brauchen sie eine Pause, auch wegen der emotionalen Belastung," erklärt er. Eine Ansteckung der Freiwilligen sei trotz aller Vorsichtsmaßnahmen aber nicht ausgeschlossen. "Es wäre vermessen zu sagen, dass kann uns nicht passieren." Doch das Beispiel der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" zeige, dass das Ansteckungsrisiko gering sei, wenn Schutzmaßnahmen eingehalten würden. Von 3000 nationalen und internationalen Helfern der Organisation haben sich nach Auskunft Burgers bisher nur zwei der ausländischen Helfer mit Ebola infiziert.


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