Ebola-Krise : Die Menschen brauchen unsere Hilfe

Ebola ist kein afrikanisches Problem, sondern ein globales. Jetzt sind Taten gefragt - bevor es zu spät ist. Ein Gastbeitrag des britischen Außenministers Philip Hammond

Philip Hammond
Ende eines Vorzeigeprojekts. Nach dem Tod des Infektionsmediziners Sheik Umarr Khan und seiner Kollegen war die Seuchenstation in Kenema verwaist.
Ende eines Vorzeigeprojekts. Nach dem Tod des Infektionsmediziners Sheik Umarr Khan und seiner Kollegen war die Seuchenstation in...Foto: Tommy Trenchard/Polaris/laif

Ebola ist eine große Gefahr, die keine Grenzen kennt. Die Zahl der Menschen, die sich anstecken, verdoppelt sich in Liberia alle 15-20 Tage und in Sierra Leone alle 25-30 Tage. Bisher konnte man dies außerhalb des Kontinents leicht als afrikanisches Problem abtun. Aber nachdem jetzt auch Fälle in den USA und Spanien diagnostiziert wurden, ist jedem klar, dass die Gefahr für die Welt größer ist als je zuvor. Unkontrolliert könnte Ebola auch für Länder außerhalb Westafrikas katastrophale Folgen haben.

In Sierra Leone, Liberia und Guinea ist Ebola eine Tragödie, die alle Menschen betrifft. Tausende mussten mitansehen, wie Angehörige der Seuche zum Opfer fielen, weitere Tausende können ihre Familien nicht mehr richtig ernähren, da die Preise für Reis und andere Grundnahrungsmittel auf mehr als das Doppelte angestiegen sind. Internationale Konzerne haben sich zurückgezogen, der Tourismus liegt darnieder, die Gesundheitssysteme haben ihre Belastungsgrenze erreicht.

Sein Bericht war eine starker Appell

Es ist den mutigen und engagierten Ärzten und Pflegern zu verdanken, die sich an vorderster Front um die Diagnose und Behandlung von Ebola-Patienten bemühen, dass bereits entschiedene Maßnahmen zur Eindämmung der Seuche in Gang gekommen sind. Der britische Krankenpfleger William Pooley, der sich bei Patienten in Sierra Leone angesteckt hatte, hat das Entsetzen und Elend, das er erlebt hat, in bewegenden Worten geschildert. Sein Bericht war ein starker Appell an die internationalen Partnerländer, die sich in London zu einer Konferenz über die Bekämpfung von Ebola versammelt hatten, das Wissen, das Personal und die Mittel bereitzustellen, die benötigt werden, um der Krise Herr zu werden.

Großbritannien hat umgerechnet fast 160 Millionen Euro für die Bekämpfung von Ebola zugesagt, die größte Summe, die ein einzelnes Land für Sierra Leone bereitstellt. Um das überforderte Gesundheitssystem des Landes zu unterstützen, kommen wir für 700 Betten in Ebola-Behandlungszentren auf. Hier können im Lauf von  sechs Monaten bis zu 8800 Patienten behandelt werden. Wir haben Sanitäter und Pioniere nach Sierra Leone geschickt und Krankenwagen, Zelte, Verbrennungsöfen und andere Geräte und lebenswichtige Versorgungsgüter eingeflogen. Und diese Woche haben wir angekündigt, dass wir unsere praktische Hilfe noch einmal kräftig aufstocken werden. Für Sierra Leone werden noch weitere Hunderte von Soldaten abgestellt, außerdem drei Hubschrauber vom Typ Merlin und ein Unterstützungsschiff der Marine, RFA Argus. Insgesamt wird Großbritannien dieses Projekt mit mehr als 750 Militärs unterstützen, die bei der Einrichtung von Ebola-Behandlungszentren und einem Ebola-Schulungszentrum für medizinische Fachkräfte, Logistikexperten und Hygienemitarbeiter behilflich sein sollen.

Ich begrüße Deutschlands Engagement

Aber das reicht noch nicht. Um in diesem Wettlauf mithalten zu können, sind innovative Lösungen gefragt. Deshalb werden wir umgehend den Einsatz von lokalen Ebola-Stationen testen, in denen Kranke schneller isoliert werden können, und wir werden helfen, alternative Beerdigungsrituale zu entwickeln, die das Infektionsrisiko verringern. Außerdem treiben wir die Erprobung von Impfstoffen voran.

Die USA und Frankreich haben großzügige Hilfe für Liberia und Guinea versprochen. Die Zusagen, die bei der Ebola-Konferenz am 2. Oktober in London gemacht wurden, kamen aus der ganzen Welt, von einer neuen Koalition aus NGOs, Unternehmen, Philanthropen und Regierungen. Auch neue Partnerländer wie Kuba sind jetzt dabei. Über 125 Millionen. Euro wurden zugesagt, und wir werden das Angebot, Hunderte von medizinischen Fachkräften bereitzustellen, aufgreifen.

Auch mit der deutschen Regierung arbeiten wir zusammen. Ich begrüße Deutschlands Engagement bei der Bekämpfung von Ebola in ganz Westafrika, und besonders die Arbeit des Deutschen Roten Kreuzes in Sierra Leone – das DRK ist gerade dabei, seine dortige Ebola-Station zu vergrößern. Die deutsche Hilfe in der Region ist von unschätzbarem Wert, und die Reaktion auf den Aufruf von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen an qualifiziertes Personal, sich für einen Einsatz in der Region zu melden, ist wirklich beeindruckend.

Der britische Außenminister Philip Hammond am 2. Oktober in London auf der Konferenz "Defeating Ebola: Sierra Leone".
Der britische Außenminister Philip Hammond am 2. Oktober in London auf der Konferenz "Defeating Ebola: Sierra Leone".Foto: AFP

Aber das ist nur ein Anfang. Auch andere könnten und müssten mehr tun. Mit jedem Monat, der vergeht, verdoppeln sich die Kosten und die Zahl des Hilfskräfte, die zur Bekämpfung der Epidemie benötigt werden. Jetzt müssen alle, die Hilfe zugesagt haben, ihren Worten Taten folgen lassen, und zwar mit größter Dringlichkeit. Die Menschen in Westafrika brauchen unsere Hilfe jetzt, nicht erst nächsten Monat. Dies ist kein afrikanisches Problem, sondern ein globales. Es erfordert ein entschiedenes globales Handeln, bevor es zu spät ist.

 

Der Autor ist britischer Außenminister.

 

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