Ecuador : Linksgerichteter Wirtschaftsexperte wird Präsident

Mit der Wahl des linksgerichteten Präsidentschaftskandidaten Rafael Correa in Ecuador ist Südamerika ein weiteres Stück politisch nach links gerückt.

Quito - Nach Auszählung von knapp 44 Prozent der Stimmen der Stichwahl vom Sonntag lag der 43-Jährige mit 68,5 Prozent weit vor seinem Gegenkandidaten, dem konservativen Milliardär Alvaro Noboa, der demnach nur auf 31,5 Prozent der Stimmen kam. Das Endergebnis sollte frühestens am Dienstag veröffentlicht werden. "Wir haben das dickste Portmonee des Landes geschlagen", sagte Correa bei einer Ansprache vor Anhängern. Noboa erkannte das Ergebnis hingegen nicht an. Er wolle die Auszählung "Stimme für Stimme" abwarten, bevor er sich äußere, sagte er.

"Gott sei Dank, wir haben gewonnen", sagte Correa vor seinen Unterstützern in Quito. Zugleich kündigte er an, enger mit Venezuela zusammenarbeiten zu wollen. Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler ist ein Freund des linksnationalistischen venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez und ein Gegner der US-Politik. Wenn möglich wolle er zudem Ecuador in die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) zurückführen. Das Land produziert täglich etwa 540.000 Tonnen Rohöl. "Wir werden den Bund zu anderen Ländern suchen, um den Hegemonialmächten der Welt die Stirn zu bieten." Ein Freihandelsabkommen mit den USA lehnte er erneut ab.

Noboa: "Ich bin der Gewinner"

Auch Noboa rief sich allerdings zum Sieger aus. Die erste Runde der Präsidentenwahl Mitte Oktober hatte er noch überraschend gewonnen. "Ich bin der Gewinner. Gott hat mir geholfen", sagte der Bananen-Magnat des südamerikanischen Landes, der seinen Wahlkampf mit der Bibel in der Hand bestritten hatte. Wie sein Gegenkandidat Correa zuvor, so sprach Noboa nach der Wahl von möglichem Wahlbetrug. Seine Parteimitglieder rief er auf, die Auszählung der Wahl Stimme für Stimme zu fordern.

Die Aussicht auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden Kandidaten hatte im Wahlkampf zu Spannungen und einer wahren Schlammschlacht zwischen den Bewerbern geführt. Noboa, der reichste Mann Ecuadors, hatte im Wahlkampf vor einem Bürgerkrieg gewarnt, falls "der König der Hölle" Correa an die Macht kommen sollte. Correa hatte seinen Gegenspieler hingegen als Diktator und "rechtsextremen Fundamentalisten" bezeichnet. Zudem warnte er vor Wahlbetrug. Er appellierte an seine Anhänger, auf Anzeichen von Manipulation zu achten. "Stellt sicher, dass die Urnen leer sind, dass die Stimmzettel nicht markiert sind. Achtet auf Stimmenkauf", sagte Correa.

Correa: "Kein neuer Fidel Castro"

Gegen die Vorwürfe seines politischen Gegners, zusammen mit Chávez aus Ecuador eine Art neues Kuba machen zu wollen, verteidigte sich der linke Kandidat auch am Wahlabend. "Chávez ist mein persönlicher Freund. Aber auch bei mir zu Hause kommandieren nicht meine Freunde, sondern ich", sagte er. "Ich bin nicht eine neue Version von Chávez oder Fidel Castro."

Correa hat in Belgien Wirtschaft studiert und an der University of Illinois in den USA promoviert. 2005 war er für knapp vier Monate Wirtschafts- und Finanzminister, bevor er wegen Verhandlungen mit Chávez, die er offenbar ohne Kenntnis des Präsidenten Alfredo Palacio geführt hatte, seinen Hut nehmen musste. Der neue Staatschef wird im Januar ins Amt eingeführt. In den vergangenen zehn Jahren hatte Ecuador bereits sieben Präsidenten, von denen drei nach tumultartigen Aufständen gehen mussten.

Mit Correas Wahl rückte nun auch Ecuador von einer Politik des Wirtschaftsliberalismus und der Nähe zu den USA ab. Zuletzt war der linksgerichtete brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva im Oktober im Amt bestätigt worden. Auch in Bolivien und Chile regieren neuerdings sozialistische Präsidenten. Am Sonntag stellt sich der Linkspopulist Chávez in Venezuela zur Wiederwahl. (tso/AFP)

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