Politik : Edmund Ho - ein chinesischer Patriot

Harald Maass

Wenn Edmund Ho an diesem Montag seinen Posten als Macaos neuer Regierungschef antritt, muß er sich seinen Bürgern nicht vorstellen. In der nur 430 000 Einwohner zählenden Enklave ist der 44 Jahre alte Bankier seit Jahren wegen seiner guten Kontakte zu Chinas Kommunisten bekannt. Sein Vater, Ho Yin, war unter den Portugiesen lange der Führer der pekingtreuen chinesischen Bevölkerung in der Stadt. "China ist jetzt unser Mutterland", sagt der jüngere Ho. "Konflikte mit Peking sind nicht in unserem Interesse."

Hos Ernennung durch ein Pekinger Gremium im Mai dieses Jahres war in Macao erwartet worden. In den Fußstapfen seines Vaters, dem Gründer der Tai Fung Bank, hatte Edmund Ho in den vergangenen Jahren seine politischen Kontakte zur Volksrepublik ausgebaut. 1988 wurde er Abgeordneter im Pekinger Volkskongress, seit 1989 sitzt er in dessen Ständigem Ausschuß. Er ist Vize-Vorsitzender der chinesischen Industrie- und Handelsvereinigung und Präsident der Bankenvereinigung Macaos.

Er sei ein "chinesischer Patriot", sagt Ho über sich selbst. Kritiker werfen ihm jedoch vor, dass ihn mehr als nur Vaterlandsliebe mit Peking verbindet. Als 1983 die Bank seines Vaters in Schwierigkeiten geriet, kam die Pekinger "Bank of China" mit einem Kredit zu Hilfe. Heute hält Chinas Staatsbank 50 Prozent der Anteile an dem Unternehmen.

Die Nähe zu Peking nimmt ihm in Macao jedoch kaum jemand übel. Im Gegensatz zu den Briten in Hongkong vermieden die Portugiesen in der Vergangenheit Konflikte mit China und führten kaum demokratische Reformen ein. Die Chinesen in Macao, die 96 Prozent der Bevölkerung ausmachen, halten traditionell Peking die Treue. Den Portugiesen weint kaum jemand eine Träne nach.

Im Macao gilt Edmund Ho deshalb als eine gute Wahl. Ho Hau-wah, so sein chinesischer Name, genießt sowohl bei den Chinesen als auch bei den Portugiesen den Ruf eines besonnenen Vermittlers. Als ehemaliger Berater des Gouverneurs kennt er sich in der Stadtverwaltung aus. Zu Macaos Wirtschaftsgrößen, wie dem Kasinokönig Stanley Ho, hat der in Kanada ausgebildete Buchhalter gute Beziehungen.

Diese wird Ho in Zukunft dringend benötigen. Nach Jahren der Rezession steht Macao wirtschaftlich vor großen Problemen. Seit der Asienkrise besuchen weniger Touristen die Stadt, in den Kasinos - dem Hauptwirtschaftszweig - sinkt der Umsatz. Zwar vermeidet es Ho, den Portugiesen Schuld zuzuweisen. Aber er weiß, dass die Erwartungen an ihn hoch sind. "In den vergangenen Jahren gab es das generelle Gefühl, dass die Dinge besser laufen könnten."

Große Veränderungen plant Ho in der "Sonderverwaltungszone Macao", so der offizielle Name, jedoch nicht. Nach dem Vorbild Hongkongs hat Peking Macao für 50 Jahre eine gewisse Autonomie garantiert. Um die wachsende Kriminalität der chinesischen Mafia in Macao einzudämmen, soll die Polizei reformiert werden. Auch das Glücksspiel, das nach Meinung vieler für die starke Zunahme an Gewaltverbrechen verantwortlich ist, will Ho ab 2001 neu organisieren. Verzichten kann aber auch Edmund Ho auf die lukrative Einkommensquelle nicht: "Die Spielindustrie ist und wird immer ein wichtiger Teil der Wirtschaft in Macao sein."

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