Politik : Edmund Stoiber: Er macht es, er macht es nicht, ...

Robert von Rimscha

Diesmal hat er gesagt: "Ich strebe keine neuen Ämter an." Ähnlich hat Edmund Stoiber schon oft betont, dass sein Ehrgeiz, die letzte Niederlage Bayerns gegen Preußen auf dem Schlachtfeld 1866 nun durch den eigenen Einzug ins Berliner Kanzleramt wettzumachen, ein gebremster ist. Eine andere Formulierung des CSU-Chefs lautet so: "Meine Liebe gehört Bayern. Ich will noch möglichst lange Ministerpräsident dieses Landes bleiben."

Nun hat auch seine Frau gesprochen, und die Republik rätselt. Karin Stoiber hat der "Bunten" ein Interview gegeben. Die Kinder wohnten alle im Großraum München, sagt sie. "Wir haben ein sehr intensives Familienleben. Ich wünsche mir, dass das so bleibt." Edmund Stoiber selbst stimmt dem "voll und ganz zu".

Ist dies nun der Verzicht auf die Kanzlerkandidatur? Wohl kaum. Stoiber selbst hat gesagt, er halte am gemeinsam mit CDU-Chefin Angela Merkel vereinbarten Zeitplan fest, erst Anfang nächsten Jahres zu klären, wer Gerhard Schröder herausfordern soll. "Je später, desto besser, desto gereizter der Kanzler", erläutert Stoiber den Hintersinn der angekündigten Langsamkeit.

Die Stoibers, derzeit im Süden Spaniens im Urlaub, betonen den Preis, den ein Duell mit Schröder fordert. Es ist nicht nur ein persönlicher, vor der es Karin Stoiber "graut". Ohne Erben stünde die CSU auch in Bayern schlecht da. Doch die absolute Mehrheit im Südosten ist der Pfeiler der Bundesmacht der Christsozialen.

Klar ist, dass beide Stoibers beim ersten Urlaub seit langer Zeit, den sie ohne Kinder und Enkel verbringen, ausführlich das Thema Kanzlerkandidatur besprechen werden. Die "blödsinnige Personaldiskussion" - so ein Stoiber-Zitat - über den Schröder-Heausforderer geht ihm zwar auf die Nerven. Doch privat muss schon geklärt werden, wie groß der Widerstand gegen den Aufbruch gen Norden wäre.

Dass sich Ehefrauen öffentliche Gedanken über die Ambitionen ihrer Männer machen, ist nicht neu. Schröders Ex-Gattin Hiltrud bezeichnete sich als gleich geeignet wie ihr Mann und als durchaus in der Lage, Kanzlerin zu sein. Als 1998 eine Ablösung Helmut Kohls durch Wolfgang Schäuble diskutiert wurde, sagte dessen Frau Ingeborg, sie habe "große Bedenken", ob ein Kanzler im Rollstuhl vermittelbar sei. Außerdem bleibe dann noch weniger Spielraum für Privates. Sie sei dagegen.

Karin Stoiber gibt wohl einen zutreffenden Einblick: Die Entscheidung wird täglich schwerer. Denn lange sah es so aus, als machte sich die Union an ein vergebliches Unterfangen. Mittlerweile schwächelt der Kanzler. Es geht also um eine ernsthafte Chance. Stoiber betreibt Außenpolitik und wird nicht nur in Moskau wie ein Staatsgast empfangen. Personell treibt er den Aufbau der Berliner CSU-Dependance voran.

Er und Merkel haben verabredet, dass sie sich spät entscheiden. Spät heißt auch, dass dann die Erwartungen so hoch sein können, dass ein Rückzug übel genommen wird. Das bewusste Offenlassen der Optionen, das Vorbauen gegen allzu große Erwartungsfreude unter den 180 000 CSU-Mitgliedern: Dies dürfte der eigentliche Grund für Karin Stoibers Pro-Bayern-Interview sein. Nicht, dass Edmund Stoiber nicht will. Er will nicht, dass es aussieht, als falle es ihm leicht.

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