Politik : Edmund Stoibers B-Frage

Robert Birnbaum

Berlin - Edmund Stoibers ungewisse Zukunftspläne sorgen für gewisse Unruhe – bei der CDU einerseits, beim mutmaßlichen Koalitionspartner andererseits. Für FDP-Generalsekretär Dirk Niebel ist der Fall noch vergleichsweise einfach: Er könne sich weder den Amtsinhaber Joschka Fischer noch den Bayern als nächsten Außenminister vorstellen, sagte Niebel am Donnerstagabend dem Nachrichtensender N24. Vorstellen könne er sich hingegen sowohl seinen eigenen Parteichef Guido Westerwelle als auch Fraktionschef Wolfgang Gerhardt.

Schwieriger ist der Fall für die CDU, die CSU und die Kanzlerkandidatin Angela Merkel. Merkel hat Stoiber gebeten, nach Berlin zu kommen und in ein Kabinett unter ihrer Leitung einzutreten. Stoiber hat sich aber auch intern nicht festlegen lassen wollen. In CSU-Kreisen heißt es, der CSU-Chef neige im Moment sehr dazu, als Ministerpräsident in Bayern zu bleiben. Er fürchte nämlich, in einem Amt etwa als „Superminister“ für Wirtschaft und Finanzen zu schnell verschlissen zu werden. Vor diesem Hintergrund – aber auch angesichts von Umfragezahlen, die sogar eine absolute Mehrheit der Union denkbar erscheinen lassen – erklärt sich die in der CDU verbreitete Vermutung, Stoiber wolle, wenn, dann als Außenminister nach Berlin kommen.

Als „Unfug“ werden sowohl in der CDU als auch in der CSU Überlegungen gewertet, Stoiber könne in München bleiben und „Koordinator“ für die Länder- Mehrheit der Union im Bundesrat werden. Starke CDU-Länderfürsten wie der Hesse Roland Koch oder der Baden- Württemberger Günther Oettinger würden „den Teufel tun und sich von Stoiber koordinieren lassen“, sagt ein Ländervertreter. In der Union in Berlin gilt als wahrscheinlich, dass der Druck auf Stoiber wachsen wird, sich für Berlin zu entscheiden. Sonst müsse er damit rechnen, dass man ihm Zweifel am gemeinsamen Wahlerfolg unterstelle.

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