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Edward Snowden auf der Flucht : Morales bietet Asyl in Bolivien an

Nach Venezuela und Nicaragua hat nun auch Bolivien dem von den USA gesuchten Informanten Asyl angeboten. Boliviens Präsident Evo Morales war erst kürzlich durch die Fahndung nach Snowden in Mitleidenschaft gezogen worden.

Aktion "Ein Bett für Snowden": Aktivisten werben am 05.06. vor dem Kölner Dom für Asyl für den Whistleblower Edward Snowden in Deutschland.Weitere Bilder anzeigen
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10.06.2014 09:55Aktion "Ein Bett für Snowden": Aktivisten werben am 05.06. vor dem Kölner Dom für Asyl für den Whistleblower Edward Snowden in...

Die Flucht des ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden könnte doch noch gelingen. Nachdem zahlreiche Regierungen Anträge auf politisches Asyl abgelehnt haben, kommt nun überraschend Hilfe aus Lateinamerika. Nach Venezuela und Nicaragua hat nun auch Bolivien dem flüchtigen früheren US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden Asyl angeboten. Sein Land werde Snowden Asyl gewähren, wenn dieser einen Antrag stelle, sagte Präsident Evo Morales bei einer Rede vor Landwirten am Samstag in Oruro im Südwesten Boliviens. „Als Zeichen des Protests möchte ich den Europäern und den Nordamerikanern sagen: Jetzt werden wir diesem von seinen Landsleuten verfolgten Amerikaner Asyl gewähren, wenn er dies beantragt. Wir haben keine Angst.“Das Land werde Snowden Zuflucht gewähren, wenn dieser einen Asylantrag in dem Land stelle, sagte der bolivianische Präsident Evo Morales bei einer Rede in Oruro am Samstag. Einer bolivianischen Regierungsmaschine mit Morales an Bord war in der Nacht zum Mittwoch der Überflug über mehrere europäische Länder verweigert worden, weil Snowden an Bord vermutet worden war.

Schon am Freitag hatten die linksgerichteten Regierungen in Venezuela und Nicaragua angeboten, den 30-Jährigen aufzunehmen, der die geheimen Spionage-Aktivitäten der USA öffentlich gemacht hat und deswegen zu Hause wegen Landesverrats angeklagt werden soll. Alle Versuche, in ein für ihn sicheres Land auszureisen, sind bislang gescheitert. "Er ist ein junger Mann, der die Wahrheit gesagt hat", erklärte der Präsident Venezuelas, Nicolas Maduro. Die USA würden eben die ganze Welt ausspionieren. Er habe daher entschieden, Snowden aus humanitären Gründen Asyl anzubieten.

Berühmte Whistleblower
Der jüngste Informant. Edward Snowden veröffentlichte Einzelheiten zu Spähprogrammen der Geheimdienste in den USA und Großbritannien. Doch Snowden ist nicht der Erste, der mit brisanten Details an die Öffentlichkeit geht - und damit seinen Arbeitsplatz und noch viel mehr riskiert.Alle Bilder anzeigen
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26.06.2013 22:02Der jüngste Informant. Edward Snowden veröffentlichte Einzelheiten zu Spähprogrammen der Geheimdienste in den USA und...

Der Amerikaner sei ein Held der Menschenrechte. In Nicaragua sagte Präsident Daniel Ortega, er habe ein Asylgesuch von Snowden erhalten. Dieses könne bewilligt werden, wenn die Umstände es zuließen. Zu Details machte er jedoch keine Angaben. Die USA fordern die Auslieferung Snowdens. Da gegen ihn daheim Anklage erhoben wurde, ist sein amerikanischer Reisepass für ungültig erklärt worden. Er war am 23. Juni von Hongkong kommend am Moskauer Flughafen Scheremtjewo gelandet. Dort soll er sich noch immer im Transitbereich aufhalten, also neutralem Territorium. Es war zunächst nicht klar, wie Snowden auf die neuen Offerten aus Venezuela und Nicaragua reagiert - oder wie er dort hinkommen könnte.

Aus Russland waren zuletzt Zeichen von Ungeduld gekommen. Moskau hatte deutlich gemacht, dass eine anhaltende Hängepartie die Beziehungen zu den USA belasten könnten. Die USA wollten sich zunächst nicht zu dem Angebot aus Venezuela äußern. Nicaragua und Venezuela sind befreundet und den USA gegenüber überaus kritisch eingestellt. Nicaragua, in Zentralamerika nördlich von Costa Rica gelegen, ist eines der ärmsten Länder der Region, hat aber von finanziellen Hilfen Venezuelas profitiert. Das südamerikanische Land wiederum ist reich an Öl und daher für die Weltwirtschaft von Bedeutung.

Maduro ist dort der Nachfolger des verstorbenen Präsidenten Hugo Chavez, der sein Mentor war. Er hat die USA immer wieder scharf angegriffen - unter anderem, weil sie angeblich seine Ermordung planten. Nach Angaben der Enthüllungsplattform WikiLeaks hat Snowden in sechs weiteren Ländern um Asyl gebeten. Er hat sich bislang aber überwiegend Absagen eingehandelt, so auch aus Deutschland. Laut Außenministerium liegt keine humanitäre Notlage vor. Die USA seien zudem ein Rechtsstaat, hieß es. (Reuters)

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