Ehemalige Farc-Geisel : Betancourt veröffentlicht 700 Seiten Grauen

Ingrid Betancourt veröffentlicht ein Buch über ihre Jahre als Farc-Geisel. Das Schlimmste steht gleich auf den ersten Seiten: ein Fluchtversuch, Schläge, sexuelle Gewalt.

Paris - „Ich wollte mit dem Härtesten anfangen“, sagt die kolumbianische Ex-Geisel Ingrid Betancourt über den Einstieg ihres Buches „Même le silence a une fin“ (Sogar das Schweigen hat ein Ende), das am Dienstag in Frankreich und in einem Dutzend weiterer Länder erscheint.

Insgesamt fünf Fluchtversuche schildert die 48-Jährige auf den knapp 700 Seiten, die sie über die sechseinhalb Jahre als Geisel der linksgerichteten Guerillaorganisation Farc geschrieben hat. Im Februar 2002 war die Grünen-Politikerin auf einer Wahlkampfreise in eine ehemalige Guerilla-Hochburg im Süden Kolumbiens zusammen mit ihrer Wahlkampfmanagerin Clara Rojas verschleppt worden.

Es folgen Jahre im Dschungel, in denen sie monatelang in Ketten liegt, ständig von einem Versteck ins andere gebracht wird. Am Anfang hat sie noch Hoffnung auf eine schnelle Freilassung. Sie hört im Radio den Papst und den damaligen französischen Ministerpräsidenten Dominique de Villepin, die ihre Freiheit fordern. Die gläubige Katholikin liest die Bibel und fertigt von Hand bunte Gürtel an. Doch nach und nach schwindet die Hoffnung. „Wir waren zu der höchsten Strafe verdammt, die man einem Menschen verpassen kann: nicht zu wissen, wann sie zu Ende ist“, schreibt Betancourt in ihren Erinnerungen.

Vom Tod ihres Vaters erfährt sie in Gefangenschaft. Einer der Entführer lässt absichtlich eine alte Zeitung liegen, in der die Todesnachricht steht.

Die Befreiung gelingt 2008 – wie in einem Actionfilm. Undercover-Agenten schleusen sich in die Führungsebene der Rebellen ein und holen Betancourt und 14 Mitgefangene mit dem Hubschrauber aus dem Lager in den Tiefen des Dschungels. In den zwei Jahren nach der Befreiung erleidet ihr heroisches Image jedoch einige Kratzer. So stößt ihre Forderung, für die Geiselhaft 5,5 Millionen Euro Entschädigung zu bekommen, auf Unverständnis. Ihre Mitgefangene Clara Rojas, die in Gefangenschaft von einem Guerillero ein Kind bekam, beschreibt die frühere Freundin in einem eigenen Buch als egoistisch und pedantisch. AFP

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