• Ehemaliger Elf-Angestellter wegen Leuna-Affäre in Haft - Verdacht auf Annahme von Schmiergeldern

Politik : Ehemaliger Elf-Angestellter wegen Leuna-Affäre in Haft - Verdacht auf Annahme von Schmiergeldern

Im Zusammenhang mit dem Kauf der ostdeutschen Leuna-Raffinerie sitzt nach Angaben aus Justizkreisen ein früherer Angestellter des französischen Mineralölkonzerns Elf Aquitaine in Untersuchungshaft. Alain Guillon und seiner ebenfalls inhaftierten Ex-Frau Jacqueline Baroz werde vorgeworfen, Schmiergelder erhalten zu haben, verlautete am Mittwoch aus Justizkreisen in Paris. Gegen beide sei ein formelles Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Die französische Zeitung "Liberation" hatte zuvor berichtet, wegen des Verdachts der Untreue säßen beide bereits seit Freitag in Untersuchungshaft.

Die französischen Ermittlungsbehörden hätten herausgefunden, dass auf Schweizer Bankkonten Guillons hohe Geldsummen unbekannter Herkunft eingezahlt worden seien, hieß es in den Kreisen weiter. Im Zusammenhang mit dem Leuna-Kauf habe Guillon zudem Provisionszahlungen bewilligt. Elf Aquitaine äußerte sich auf Anfrage nicht zu den Vorwürfen und erklärte, die Angelegenheit sei nun Sache der französischen Justiz.

Mit den Schmiergeld-Vorwürfen im Fall Leuna beschäftigt sich auch ein Bundestags-Untersuchungsausschuss, der zur Aufklärung der CDU-Spendenaffäre eingerichtet wurde. Der Ausschuss soll klären, ob Spenden oder andere Transaktionen wie den Verkauf der ostdeutschen Leuna-Werke an Elf-Aquitaine oder Panzerlieferungen an Saudi-Arabien Entscheidungen der damaligen CDU-geführten Regierung von Bundeskanzler Helmut Kohl beeinflusst haben. Kohl hatte zugegeben, in seiner Funktion als CDU-Chef bis zu zwei Millionen Mark an Spenden angenommen zu haben, die nicht im Rechenschaftsbericht der Partei erschienen sind. Einen Zusammenhang mit Regierungsentscheidungen hatte Kohl jedoch stets zurückgewiesen.

Die französische Zeitschrift "Paris Match" hatte im Dezember berichtet, Kohl habe sich Anfang der 90er Jahre beim damaligen französischen Präsidenten Francois Mitterrand persönlich für den Verkauf des früheren DDR-Kombinats Leuna an das ehemalige Staatsunternehmen Elf Aquitaine eingesetzt. Zugleich habe Kohl unter Hinweis auf die engen deutsch-französischen Beziehungen vor einem Scheitern des Verkaufs und den damit einhergehenden rechtlichen Folgen gewarnt.

Die französische Justiz hatte schon 1997 herausgefunden, dass Elf Aquitaine umgerechnet mehr als 80 Millionen Mark Provisionen an einen Mittelsmann gezahlt hatte, der den Leuna- Verkauf vorbereitet hatte. Nach Angaben des Mittelsmannes, gegen den ebenfalls wegen Korruptionsverdacht ermittelt wird, haben sowohl Kohl als auch Mitterrand von den Provisionszahlungen gewusst.

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