Ehemaliger Verteidigungsminister : Georg Leber ist tot
23.08.2012 00:00 UhrFür die wohl wichtigste Entscheidung seiner Laufbahn hatte Georg Leber kaum Zeit. 1972 war es, als ein unidentifiziertes Flugzeug auf München zuflog, wo gerade die Abschlussfeier der Olympischen Spiele abgehalten wurde. Abschießen oder nicht? Er wartete „zwei, drei sehr lange Minuten“, wie er später in seinen Memoiren schrieb, und dann kam doch noch ein Signal: Fehlalarm.
Leber war damals als Verteidigungsminister gerade frisch im Amt. Doch politische Karriere machte der gelernte Maurer schon viel länger. Als „wegweisenden Vorkämpfer“ der deutschen Arbeiterbewegung, bezeichnet ihn Klaus Wiesehügel, der IG-Bau-Vorsitzende. Von 1949 an war Leber hauptamtlicher Gewerkschaftssekretär bei der IG Bau-Steine-Erden, wie sie damals hieß, und übernahm acht Jahre später deren Vorsitz.
1957 zog er für die SPD in den Bundestag ein, in den Kabinetten Kiesinger, Brandt und Schmidt war er als Bundesminister tätig – zunächst als Chef des Verkehrsressorts. In seiner nächsten Station, im Verteidigungsministerium, stolperte er schließlich über Affären der Bundeswehr. Leber trat 1978 gegen den Rat der übrigen Kabinettsmitglieder und trotz großer Beliebtheit innerhalb der Bundeswehr zurück, nachdem illegale Abhöraktionen des Militärischen Abschirmdienstes (MAD) bekannt geworden waren. „Ich habe in meinem Leben nicht immer so viel Glück gehabt wie am Abend des 11. September 1972“, hat Leber einmal gesagt. Am Dienstag ist er im Alter von 91 Jahren nach langer Krankheit gestorben. (Tsp)
















