Ehrenamtliche helfen Flüchtlingen in Berlin : "Gutes tun macht Spaß"

Jürgen Grenz, der Gründer der Stiftung „Gute Tat“ soll in Berlin die ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit koordinieren. 10 000 Helfer und Projekte sind bereits in der Datenbank registriert.

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Jürgen Grenz
Jürgen GrenzFoto: picture alliance / dpa

Es klingt immer so nach Mutter Theresa“, sagt Jürgen Grenz halb entschuldigend am Telefon, „aber es ist so: Gutes tun macht Spaß.“ Der 55-Jährige muss es wissen. Er ist Berlins oberster Ehrenamts-Manager. Im Auftrag des Senats koordiniert er mit einem 15-köpfigen Team die ehrenamtliche Hilfe der Berliner für die Flüchtlinge. Wer etwas spenden möchte, den Neuankömmlingen Deutsch beibringen und sie bei Behördengängen begleiten, mit Kindern spielen oder Jugendlichen die Stadt zeigen will, kann bei der Hotline der Stiftung „Gute-Tat.de“ (390 88 399) anrufen. Grenz will auch Willkommensinitiativen und Arbeitgeber vernetzen.

Grenz kommt aus dem Schwäbischen, hat in Mannheim Betriebswirtschaft studiert und mit 34 Jahren seine erste PR- und Werbeagentur gegründet. Sein soziales Engagement hat sich aus einer einfachen wie genialen Geschäftsidee entwickelt: Menschen übers Internet zu verbinden. Die Möglichkeiten des Worldwideweb haben ihn von Anfang an fasziniert. Ab Mitte der 90er Jahre hat er Jobbörsen im Internet aufgebaut, und bald kam ihm die Idee, das Prinzip Jobbörse auf den sozialen Bereich zu übertragen: Hilfesuchende und Helfer finden über eine Internetplattform zueinander. Im Jahr 2000 gründete er die Stiftung „Gute-Tat.de“. Das Stiftungskapital von 50 000 Euro investierte er persönlich.

Es ging los mit einem Praktikanten und ein paar Dutzend zu vermittelnden Menschen. „Ehrenamt“ – das klang in Deutschland damals noch bleischwer und nach lebenslanger Vereinstätigkeit als Kassenwart. Nicht so in den USA. Dort konnte man sich schon lange nur an einem Tag oder für ein paar Stunden irgendwo engagieren. Das wollte Grenz auch den Berlinern anbieten. „Die Aktion ,Engel für einen Tag‘ ging total ab“, sagt er. Mittlerweile hat die Stiftung „Gute-Tat.de“ 10 000 Helfer und Projekte in ihrer Datenbank registriert. Die Stiftung ist mittlerweile einer der großen Player auf Berlins Ehrenamtssektor und hat Ableger in München und Hamburg.

Jürgen Grenz führt die Geschäfte der Stiftung ehrenamtlich. Sein Geld verdient er mit seiner Firma „Index“, einer aufs Internet und Marketingforschung spezialisierten Kommunikationsagentur. Und worin besteht der Spaß? Na ja, sagt Jürgen Grenz, als BWLer sei sein Horizont schon ein bisschen eng gewesen. Durch die Stiftung habe er so viele Menschen aus anderen Bereichen kennengelernt. „Das ist eine echte Bereicherung meines Lebens.“ Claudia Keller

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