Ehrung des Dalai Lama : Peking protestiert - Bush fordert Kurswechsel

In China herrscht große Verärgerung über die Ehrung des Dalai Lama in den USA. Washingtons Botschafter wurde nun ins Außenministerium in Peking zitiert, wo ihm der Unmut der Chinesen entgegen schlug. Der Dalai Lama bedauert indes die Spannungen.

Dalai Lama
Der Dalai Lama bedauert die Verärgerung Pekings. -Foto: ddp

Peking/WashingtonEin gemeinsamer öffentlicher Auftritt von Präsident George W. Bush und dem Dalai Lama hat zu schweren Verstimmungen in den amerikanisch-chinesischen Beziehungen geführt. Chinas Außenminister Yang Jiechi bestellte den US-Botschafter in Peking ein, um gegen die Würdigung des Exil-Oberhaupts der Tibeter zu protestieren.

Während einer feierlichen Zeremonie am Mittwoch im Kapitol in Washington hatte Bush Peking zu Gesprächen mit dem Dalai Lama aufgefordert. Es war der erste öffentliche Auftritt eines amtierenden US-Präsidenten mit dem Friedensnobelpreisträger von 1989. China verbat sich die Einmischung in seine "inneren Angelegenheiten". Yang habe US-Botschafter Clark Randt Pekings "scharfen Protest" übermittelt, sagte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums. China fordere die USA auf, "unverzüglich wirksame Maßnahmen zu ergreifen", um die Folgen dieses Fehlverhaltens zu korrigieren.

Peking: "Gefühle des chinesischen Volkes verletzt"

"Dieser Akt ist eine unverholene Einmischung in die inneren chinesischen Angelegenheiten und hat die Gefühle des chinesischen Volkes tief verletzt, vor allem aber die bilateralen Beziehungen ernsthaft beschädigt", sagte der Ministeriumssprecher vor Journalisten. Bush hatte den Dalai Lama vor dem Kongress als "Mann des Friedens und der Versöhnung bezeichnet". Das Oberhaupt der Tibeter wurde mit der Goldmedaille des Kongresses ausgezeichnet, der höchsten Ehrung des US-Parlaments. Der 72-Jährige sagte, die Auszeichnung werde dem tibetischen Volk "riesige Freude und Ermutigung" bringen.

Peking hatte zuvor bereits einen als privat deklarierten Empfang des Dalai Lama durch Bush im Weißen Haus am Dienstag als "grobe Einmischung in Chinas innere Angelegenheiten" gewertet. Bereits vor der Ehrung hatte Bush Peking zu einem Kurswechsel in der Politik gegenüber dem Dalai Lama aufgerufen. China müsse seine Boykotthaltung aufgeben und das Gespräch mit dem tibetischen Religionsführer suchen. "Es liegt in ihrem Interesse, sich mit dem Dalai Lama zu treffen", sagte Bush.

USA kritisiert Unterdrückung der Religionsfreiheit

Während der Zeremonie zu Ehren des Dalai Lama im US-Kongress wiederholte er die Aufforderung. "Wenn die Religionsfreiheit unterdrückt wird, können die Amerikaner nicht einfach die Augen schließen", sagte er bei der Zeremonie. Der in eine einfache Mönchsrobe gekleidete Tibeter legte trotz der hohen Ehre Bescheidenheit an den Tag. "Soweit dies zu Spannungen im Verhältnis zwischen China und den USA geführt hat, empfinde ich ein Gefühl des Bedauerns", sagte der Dalai Lama.

In seiner Rede vor dem Kongress ging er auf soziale und ökologische Folgen der chinesischen Herrschaft in Tibet ein. Der chinesische Bevölkerungsanteil in seiner Heimat wachse jährlich dramatisch. Am Beispiel der Regionalhauptstadt Lhasa lasse sich ermessen, dass die Tibeter in Gefahr seien, zu einer "unbedeutenden Minderheit" im eigenen Land zu werden. Auch die ökologischen Folgen des Bevölkerungswachstums seien eine "ernsthafte Bedrohung", warnte der Dalai Lama. In Tibet hätten mehrere der größten Flüsse Asiens ihre Quellen. Hunderte Millionen von Menschen bekämen daher Schädigungen des Ökosystems in Tibet zu spüren. "Lassen Sie mich daher noch einmal die Gelegenheit ergreifen, an die chinesische Führung zu appellieren, die ernsten Probleme in Tibet zur Kenntnis zu nehmen", fordert der seit 1959 im indischen Exil lebende Tibeter. Er hoffe auf "Mut und Weisheit" in Peking. Tibet wird seit dem Einmarsch der chinesischen Armee 1950 von Peking regiert. Der Dalai Lama kämpft für die Autonomie der Region. China lehnt dies strikt ab. (mit AFP)

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