Politik : Eichel spart (Komentar)

Robert Birnbaum

Hans Eichel, wir wissen es ja mittlerweile, ist ein sparsamer Mann. Aber dass er so sparsam sein würde . . ? Um unser Erstaunen zu verstehen, bedarf es einiger Vorbemerkungen. Die eine betrifft das Sekretärinnen-Wesen. Als die Regierung von Bonn nach Berlin zog, brach unter den Regierungsbediensteten keineswegs Jubel aus ("Endlich in die Großstadt!"). Viele sind in Bonn geblieben und dort in die Dienste einer anderen Bundesbehörde gewechselt. Das war, nachträglich betrachtet, ganz in Eichels Sinne, weil kostengünstig. Ein ähnliches Wechsel-Spiel vollzog sich in Berlin: Im Bundespresseamt etwa bedienen jetzt viele Damen die Telefone, die einstmals bei der Postbank tätig waren.

Die zweite Vorbemerkung betrifft das Journalisten-Wesen. Es ist nämlich so, dass sich unsereiner das täglich Brot nicht ausschließlich durch allabendliches Herumstehen an irgendwelchen kostenlosen Büffets verdient. Auch ist es uns keineswegs vergönnt, unsere Politiker tagtäglich von Angesicht zu Angesicht zu sehen, vertraulich in eine finstere Ecke zu ziehen und von ihnen die Geheimnisse der Kabinettssitzung zu erfahren. Nein, unser Haupt-Arbeitsmittel ist das Telefon. Womit wir beim Hause Eichel wären. Seit das Finanzministerium in Berlin ist, ist dessen Pressestelle, telefonisch gesehen, wie vom Erdboden verschluckt. Erst besetzt, besetzt und noch mal besetzt. Und wenn endlich das Freizeichen kommt, dann geht keiner ran. Minutenlang. Wir haben lange gerätselt, was da los war. Jetzt haben wir es erfahren: Nur eine Sekretärin. Die anderen werden noch gesucht. Dass der Hans Eichel aber auch derart sparsam sein würde . . .

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