Eigenes Geschichtsbild : Chavez rückt Merkel in die Nähe von Hitler

Venezuelas Präsident Chavez ist für seine markigen Worte bekannt. Zu seinen Lieblingsfeinden gehört neben anderen westlichen Politikern US-Präsident Bush. Die deutsche Kanzlerin hatte der Sozialist bislang ausgelassen - bis jetzt.

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Hugo Chavez: Kritisiert die neuen Abschieberegeln der EU. -Foto: AFP

CaracasVenezuelas Staatspräsident Hugo Chavez hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) scharf attackiert. Die Bundeskanzlerin gehöre der politischen Rechten an, "der selben Rechten, die Hitler, die den Faschismus unterstützt hat", sagte Chavez am Sonntag in Caracas. Er reagierte damit auf eine Äußerung Merkels, der venezolanische Präsident sei nicht die Stimme Lateinamerikas.

Angela Merkel beginnt ihre Lateinamerikareise am Mittwoch in Brasilien. Nach dem Gipfel in Lima besucht sie bis zum 20. Mai auch Kolumbien und Mexiko. Vor ihrer ersten Reise in die Region hat sich die Bundeskanzlerin für mehr Anstrengungen zur Armutsbekämpfung auf dem Subkontinent ausgesprochen. Die EU sollte die Länder beim Abbau von sozialer Ungleichheit unterstützen, sagte Merkel.

"Wir werden nicht den Mund halten"



Er werde Merkel eventuell beim

EU-Lateinamerika-Gipfel in der peruanischen Hauptstadt Lima

am 16./17. Mai antworten, sagte Chavez in seiner Fernsehsendung "Aló Presidente". "Ich weiß jetzt noch nicht, ob ich am Gipfel teilnehme. Viele wollen, dass man den Mund hält. Aber wenn ich nach Lima fliege und ich ihr plötzlich etwas sage und sie wird böse, wird sie (Merkel) dann auch aufstehen und sagen 'Warum hältst du nicht den Mund?'. Warum hältst du nicht den Mund? (...) Weil es hier Würde gibt", meinte Chavez in Anspielung auf einen Zwischenfall mit dem spanischen König Juan Carlos vom vergangenen November in Santiago de Chile.

Beim iberoamerikanischen Gipfel hatte Chavez versucht, eine Rede des spanischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero zu unterbrechen. Der König fuhr daraufhin den Venezolaner mit den Worten "Warum hältst du nicht den Mund?" an. Der Schlagabtausch löste damals eine wochenlange Krise zwischen Madrid und Caracas aus. "Wir werden nicht den Mund halten, weil es hier Würde gibt. Also, (die Europäer) kommen hierher, ums uns zu helfen. Wo ist denn dann der Plan, um den Armen zu helfen? Fragt doch den Staatspräsidenten von Haiti, wie viele Versprechen Europa und die Vereinigten Staaten gemacht haben", sagte Chávez in seiner TV-Sendung.

Bush als "Teufel"

Die Sozialprogramme der Region würden von den Regierungen von Venezuela, Kuba, Argentinien und Brasilien getragen, erklärte er. Chavez fand unterdessen lobende Worte für seinen brasilianischen Amtskollegen Luiz Lula da Silva. Lula habe deutliche Worte benutzt, als er "unseren blaublütigen Freunden in Europa" gesagt habe, sie sollten keine Angst vor der Linken Lateinamerikas haben. "Die Europäer brauchen keine Angst vor der Linken Lateinamerikas zu haben. Danke, Kamerad Lula. Er hat gesagt, Chavez sei der beste Präsident, den Venezuela je gehabt hat. Wegen der Freundschaft übertreibt er da ein wenig", so der frühere Oberstleutnant Chavez.

Merkel reagierte gelassen auf die Hitler-Attacke des venezolanischen Präsidenten. Laut einer am Montag verbreiteten Erklärung der Bundesregierung wiederholte die Kanzlerin ihre in einem Interview eingenommene Haltung, wonach Chavez nicht für ganz Lateinamerika spreche.

Der Interviewäußerung sei nichts hinzuzufügen, sagte ein Regierungssprecher. "Die Äußerungen von Präsident Chávez sprechen für sich."



Der Sozialist Chavez ist für seine spitzen Bemerkungen gegenüber westlichen Politikern bekannt. Mit US-Präsident George W. Bush verbindet ihn eine herzliche Feindschaft. Vor der UN-Vollversammlung bezeichnete er Bush vor zwei Jahren zum Beispiel als "Teufel". Während seiner Präsidentschaft hat Chavez weite Teile der venezolanischen Industrie verstaatlicht und unter anderem die Auflagen für ausländische Ölfirmen drastisch verschärft. Die USA sind größter Abnehmer venezolanischen Öls. (sf/dpa)


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