Politik : Eigensinnig, aber kompromissbereit

Der bisherige Stellvertreter Covic führt für eine Woche die Geschäfte des Premiers. Sein Verhältnis zu Djindjic galt zuletzt als schwierig

Gemma Pörzgen

Belgrad. Sichtlich erschüttert hatte Nebojsa Covic den Tod des serbischen Ministerpräsidenten Zoran Djindjic bestätigt. Doch schon am Abend wirkte er kühl und gefasst. Inzwischen hatte er die Amtsgeschäfte interimsmäßig übernommen. Seit Donnerstagabend ist klar, er wird sich mit den anderen drei Vizeministerpräsidenten im wöchentlichen Turnus abwechseln.

Der 44-jährige Stellvertreter agierte meist im Schatten von Djindjic. Im Machtkampf mit dem früheren jugoslawischen Präsidenten Vojislav Kostunica unterstützte er stets die Position seines Chefs. Wie Djindjic gilt er als Pragmatiker, der das Land an die EU heranführen will. Als Kosovo-Beauftragter der serbischen Regierung war er für den Chef der dortigen UN-Verwaltung, Michael Steiner, ein eigensinniger Verhandlungspartner, der sich aber auch kompromissfähig zeigte. Nationalistische Kreise werfen ihm dies vor.

Wiederholt sprach sich Covic für eine Teilung der Provinz aus. Vor mehr als zwei Jahren erwarb er sich großes Ansehen, als es ihm mit internationaler Unterstützung gelang, die gewaltsame Krise in Südserbien mit einem Waffenstillstand zu beenden. Doch als es vor wenigen Wochen im mehrheitlich von Albanern bewohnten Presevo-Tal erstmals wieder zu gewaltsamen Vorfällen kam, schien er den Konflikt plötzlich anheizen zu wollen. In Belgrad blühten daher die Spekulationen über ein Zerwürfnis mit Djindjic, der sich zu gleicher Zeit mit einer Kosovo-Initiative profilierte. Der promovierte Maschinenbauingenieur wurde im Alter von 36 Jahren Bürgermeister Belgrads. Damals stand er dem früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic nahe. Als Milosevic 1996 die Wahl fälschte und die Opposition Zehntausende Demonstranten auf die Straße brachte, brach Covic mit dem Staatschef. Nach seinem Ausschluss aus der Sozialistischen Partei gründete der Politiker seine kleine Partei „Demokratische Alternative" (DA). Mit ihr verfügt Covic über keinen großen politischen Rückhalt, wohl aber über exzellente Verbindungen zu Sicherheitskräften und Armee. Dies könnte ihm vor allem in der Zeit des Ausnahmezustandes helfen, seine Machtbasis auszubauen.

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