Politik : Ein Abenteurer will in den Elysée-Palast

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Paris - Diesmal meint er es ernst. Und mit Versprechungen der Politiker will er sich nicht mehr begnügen – er geht selbst in die Politik. Am Mittwoch erklärte Nicolas Hulot, Frankreichs populärer Umweltschützer, seine Kandidatur zur Präsidentenwahl 2012. In einem in grünes Scheinwerferlicht getauchten Saal in Sevran bei Paris gab der 55-jährige Fernseh- und Buchautor die von seinen Anhängern seit langem erwartete Entscheidung bekannt. Bewusst hatte er für seine Erklärung, sich um das höchste Amt der Republik zu bewerben, nicht die Hauptstadt gewählt, sondern einen der von Arbeitslosigkeit und Gewalt gezeichneten Orte der Pariser Banlieue. Das Soziale und die Ökologie sind sein Programm. „Ich bin der Überzeugung, dass beides untrennbar ist“, sagte er in seiner kurzen Rede vor einer Hundertschaft von Journalisten.

In den regelmäßigen Umfragen zur Beliebtheit von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens rangiert Hulot neben Politikern wie dem Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, oder dem Altpräsidenten Jacques Chirac stets in der Spitzengruppe. Als Sohn eines Konditors aus Lille, der in seiner Jugend als Goldsucher nach Südamerika gegangen war, hatte er die Abenteuerlust wohl als väterliches Erbe mitbekommen. Er wurde Fotoreporter, arbeitete für den Rundfunk und durchstreifte für das Fernsehen die entlegensten Ecken der Welt. Von seinen Reisen brachte er nicht nur fesselnde Reportagen mit, sondern auch ein von wachsender Sorge getragenes Engagement für die Erhaltung der Umwelt. Seine 1987 gestartete Sendereihe „Ushuaia“ verzeichnet noch heute höchste Einschaltquoten.

Hulot appellierte an Ökologen und Grüne, ihn im Präsidentschaftswahlkampf zu unterstützen. Er ließ aber offen, ob er an den Vorwahlen ihres Bündnisses Europe-Ecologie-Les Verts teilnehmen will. Bisher erste Bewerberin für deren Kandidatur ist die Ex-Richterin Eva Joly. Sie ist nicht die einzige, die Hulots Auftritt mit Skepsis sieht. Viele nehmen ihm übel, dass er bisher zu viele Kompromisse eingegangen sei und Frankreichs Nuklearpolitik nie kritisiert habe. Erst seit der Katastrophe von Fukushima stelle er den Bau neuer Reaktoren in Frage. Manche gehen noch weiter zurück. Sie werfen ihm die wilden Hubschrauberflüge in seinen Reportagen vor und nehmen Anstoß daran, dass zu den Mäzenen seiner Umweltstiftung Unternehmen wie der Energiekonzern EdF mit seinen Atomkraftwerken gehören. Hans-Hagen Bremer

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