Politik : Ein Anwalt für die Rechte der Menschen

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London Die Geschichte der größten Menschenrechtsorganisation der Welt beginnt damit, dass jemand eine Kerze anzündet. 1961 hatte der junge englische Anwalt Peter Benenson während einer U-Bahn-Fahrt in London in einer knappen Zeitungsmeldung gelesen, dass in Portugal zwei Studenten zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt worden waren, weil sie in einem Café auf die Freiheit angestoßen hatten. Das machte ihn so wütend, dass er in einer Kirche eine Kerze anzündete und sich überlegte, was er als einfacher Bürger gegen dieses Unrecht tun könnte. Heute ist die mit Stacheldraht umwundene Kerze das Symbol von Amnesty International (AI).

Benenson beschloss, einen Protestbrief an die portugiesische Militärdiktatur zu schreiben und andere dazu aufzurufen, das Gleiche zu tun. Zu diesem Zweck verfasste er einen Beitrag für die Zeitung „The Observer“ unter der Überschrift „Die vergessenen Gefangenen“. 30 Zeitungen im Ausland, darunter „Le Monde“ in Frankreich, schlossen sich diesem Aufruf an. Zwei Monate später hatten sich allein in Großbritannien schon siebzig Gruppen gebildet, die sich für die Freilassung politischer Gefangener einsetzten.

Was zunächst nur als einjährige Kampagne geplant war, entwickelte sich noch 1961 zu einer ständigen, internationalen Organisation, die schon 1965 Beraterstatus bei den UN erhielt. Im Laufe der Jahre bewirkte sie die Freilassung Tausender Gefangener.

Als Amnesty 1977 den Friedensnobelpreis bekam, lebte der Offizierssohn und tiefgläubige Katholik bereits zurückgezogen als Bauer, Maler und Schriftsteller auf dem Land. Am Freitag ist er im Alter von 83 Jahren in Oxford an einer Lungenentzündung gestorben. dpa

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