Politik : Ein Arzt für die SPD

Hamburgs Basis wählt Petersen zum Parteichef

Günter Beling

Hamburg - Er soll die SPD in Hamburg aus dem Jammertal führen: Der Bürgerschaftsabgeordnete und Arzt Mathias Petersen (48) hatte sich in einer Urwahl am Sonntag gegen den Sozialpolitiker Knut Fleckenstein (51) durchgesetzt, den Funktionäre aus beiden Parteiflügeln als Nachfolger von Landeschef Olaf Scholz favorisiert hatten. Petersen gilt heute in Hamburgs SPD als attraktivster Herausforderer Ole von Beusts – seine Wahl wird als Überraschung bewertet. Der CDU-Bürgermeister lehnte jeden Kommentar zur Wahl des SPD-Chefs ab.

Ex-Bürgermeister Henning Voscherau hatte sich im parteiinternen Wahlkampf auf Petersens Seite geschlagen: „Die Mitglieder müssen sich entscheiden, was ihnen wichtiger ist: mehr Charisma nach außen oder mehr ausgleichende Fähigkeiten nach innen.“ Der neue Parteichef spreche die Wähler stärker an. Dieses Argument überzeugte auch viele Mitglieder. Ein Viertel der 12 600 Hamburger Sozialdemokraten beteiligte sich an dem Entscheid; Petersen erhielt 1770 Stimmen, Fleckenstein 1300. Ein Parteitag muss das Ergebnis noch bestätigen. Petersen versprach eine konzentrierte Oppositionsarbeit.

Die Entscheidung der Basis wird auch als Reflex auf die Abwahl Walter Zuckerers gedeutet. Der Parteilinke war nach der verlorenen Hamburg-Wahl als Vorsitzender der SPD-Bürgerschaftsfraktion von Michael Neumann abgelöst worden, dem ebenfalls Ambitionen auf die Spitzenkandidatur 2008 nachgesagt werden.

Petersen entstammt einer angesehenen Hamburger Familie, die bereits drei Bürgermeister in Hamburgs Geschichte stellte. Bei der Nominierung des Spitzenkandidaten 2003 holte er gegen Thomas Mirow rund 40 Prozent der Delegiertenstimmen. Seine Ziele blieben undeutlich, er sprach sich aber für die Wiedereinführung der Vermögen- und Erhöhung der Erbschaftssteuer aus. Kritisch äußerte sich Petersen zur Zusammenlegung von Sozial- und Arbeitslosenhilfe – und zu Olaf Scholz. Der habe nicht genug gegen den Mitgliederschwund getan und Diskussionen unterbunden: Nur wenn die SPD kontrovers debattiere, werde das „Feuer der Begeisterung“ nicht erlöschen. „Wir werden die Politik von Gerhard Schröder konstruktiv-kritisch begleiten“, sagte Petersen dem Tagesspiegel.

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