Politik : Ein bisschen Frieden

Im EU-Wahlkampf gilt Beifall für Schröder als Erfolg

Jürgen Zurheide

Dortmund - Gegen seine Gewohnheit wählt Gerhard Schröder den Seiteneingang. Mehr als 2000 Genossen warten in der Dortmunder Westfalenhalle auf den Kanzler. Und der kommt zum Endspurt des Europawahlkampfes sofort zur Sache. Dass die SPD eine Partei mit 140-jähriger Geschichte, einigen Höhen, aber auch vielen Tiefen ist, hat er unzählige Male gesagt. Hier fügt er hinzu: „Sozialdemokraten waren nie für sich selber da, wir waren immer die Partei der Internationalen, die sich um andere gekümmert hat, denen es – verdammt noch mal – so viel schlechter als uns geht.“ Damit hat Schröder den Boden für seine Kernbotschaft in diesem Wahlkampf bereitet: das Friedensthema soll die schlechte Stimmung drehen.

Auch Spitzenkandidat Martin Schulz sagt: „Die Meinungsumfragen ziehen an, wir sind die Friedensmacht.“ In diesem Moment recken die wegen ihrer blauen Hemden gut erkennbaren Neumitglieder blaue Tafeln in die Höhe. Auf der einen Seite steht „Friedensmacht“, auf der anderen „zukunftsgerecht“. Dass das eine Thema vom anderen, dem Streit um die Reformen, ablenken soll, gibt der Kanzler zu. Es sorgt ihn, dass die Stimmung für die SPD noch immer schlecht ist. „Wir haben manche Schwierigkeiten“, heißt das bei ihm. „Aber es muss sein.“

Schröder bekommt Beifall. Hinterher machen sie sich im kleinen Kreis Mut, dies sei ein Fortschritt. Vor einigen Monaten ist der Kanzler in Dortmund ausgepfiffen worden.

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