Politik : Ein bisschen Privatpatient

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Mit der Gesundheitsreform hat sich vieles für die Patienten verändert. In loser Folge beantworten wir Fragen dazu.

Dank der Gesundheitsreform können sich gesetzlich Versicherte in einer Hinsicht nun wie Privatpatienten fühlen: Sie können das Prinzip der Kostenerstattung wählen. Das heißt, sie zahlen Arztrechnungen aus eigener Tasche und lassen sich das Geld im Nachhinein von der Krankenkasse erstatten. Allerdings müssen sie dies vorher mit ihrer Kasse vereinbart haben. Die Abmachung gilt dann für mindestens ein Jahr und die Kostenerstattung für sämtliche Ärzte , die in diesem Zeitraum aufgesucht werden. Eine Beschränkung auf bestimmte ambulante Leistungen ist nicht möglich. Allerdings kann man die Kostenerstattung auf den ambulanten oder stationären Sektor beschränken. Vorteil: Man bekommt auch Leistungen, die einem als Kassenpatient versagt bleiben. Nachteil: Die Ärzte dürfen dafür Kosten wie bei Privatpatienten ansetzen.

Deshalb kann die neue Möglichkeit die gesetzlich Versicherten teuer kommen. Rückerstattet bekommen sie nämlich nur die üblichen Kassensätze , nicht etwa Privatrechnungen in voller Höhe. Und es fallen Verwaltungskosten von bis zu 50 Euro an, die ebenfalls nicht erstattet werden.

Die Krankenkassen haben ihre Kunden vor einem Wechsel zum Kostenerstattungsprinzip gewarnt. Doch mancher Patient erhofft sich dadurch womöglich eine bessere Behandlung. Und manche Mediziner gingen sehr massiv vor: Vor allem Kieferorthopäden hätten ihre Patienten regelrecht zur Kostenerstattung gedrängt, sagt die Patientenbeauftragte Helga Kühn- Mengel und spricht von einem „Unwesen". Auch vom Ministerium kam heftige Kritik. Warum dann die Möglichkeit überhaupt eingeräumt wurde? Es habe sich um eine FDP-Forderung gehandelt, heißt es wie zur Entschuldigung. Und: Wer könne sich schon gegen die Forderung nach mehr Wahlfreiheit stellen? raw

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