Politik : Ein Diplomat im Hotel

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Manchmal ist Cornelius Sommer etwas mutlos. Fast 18 Monate lebt der deutsche Generalkonsul in der russischen Exklave Kaliningrad. Doch bislang hat er kein Visum ausgestellt. Statt in einem Bürogebäude residieren der Diplomat und seine Mitarbeiter im Hotel Albertina und empfangen die Kundschaft im Restaurant. Grund ist ein bizarrer Liegenschaftspoker. Ein halbes Dutzend Mal hat Sommer vergeblich Anträge gestellt, um ein arbeitsfähiges Domizil zu bekommen. Doch aus dem Moskauer Außenministerium kamen jedesmal nur Absagen . Mit nervenaufreibenden Manövern versuchte man dort, im Gegenzug für eine standesgemäße Unterbringung der eigenen Leute in Deutschland Druck zu machen. Beim Kanzlerbesuch am Sonntag zeichnete sich nun doch eine Lösung in dem diplomatischen Kleinkrieg ab. Eine Immobilie wurde inzwischen gefunden. Und aus Moskau wurde diesmal Zustimmung zur Übernahme signalisiert. Die Hauptleidtragenden der Verzögerungen sind die Kaliningrader. Um ein Besuchervisum in das rund 600

Kilometer entfernte Berlin zu bekommen, müssen sie derzeit in das rund doppelt so weit entfernte Moskau reisen. In der russischen Hauptstadt wird um eine bessere Unterbringung für russische Diplomaten in München und Frankfurt am Main gekämpft. dpa

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