Politik : Ein Diplomat im Kampfanzug

Hendrik Bebber

Neben Golf nennt Generalmajor John McColl "sehr langsames Joggen" als sein Hobby. Vorsichtiges Auftreten und Behutsamkeit kommen ihm sicher zugute bei der schwierigen Aufgabe, die internationale Schutztruppe in Afghanistan zu kommandieren. Der britische Offizier muss schließlich nicht nur das eigene Truppenkontinent von 1500 Mann führen, sondern auch den Einsatz von bis zu weiteren 3500 Soldaten aus einem Dutzend Länder koordinieren - von Neuseeland über Malaysia bis zu Jordanien und Tschechien.

Heikelste Aufgabe ist jedoch die Zusammenarbeit mit der afghanischen Übergangsregierung. Besonders deren Verteidigungsminister Mohammed Fahin möchte allenfalls tausend ausländische Soldaten in Kabul dulden. Auch die Kriegsherren der rivalisierenden Partner in der Nordallianz möchten Macht und Einfluss nicht mit fremden Streitkräfte teilen. Fahrin besteht darauf, dass die Schutztruppe keine Angehörigen seiner Milizen entwaffnen darf und die "Sicherheit für die Regierung unsere Aufgabe ist".

Vorläufig besteht McColls Schutztruppe nur aus einem Dutzend britischer Marineinfanteristen. Sie sind das Vorauskommando von 200 Mann, das am Wochenende in Kabul eintreffen wird. "Wir werden nur Barette tragen und uns in ungepanzerten Fahrzeugen bewegen", sagt Major Matt Jones zu dem Einsatz, der den Codenamen "Fingal" trägt. "Unser Profil ist so zurückhaltend wie möglich. Die Afghanen sind gegenüber ausländischen Soldaten sehr empfindlich, und wir wollen niemand verärgern."

Tony Blair schickt mit McColl einen überaus erfahrenen Kommandeur nach Afghanistan. Der 49-jährige Generalmajor bekam 1973 sein Offizierspatent und diente in Zypern, Norwegen, Nordirland und Belize. Mit deutschen Empfindlichkeiten käme er auch zurecht. Schließlich kommandierte er ein Bataillon der Rheinarmee. Als Stabschef der 1. Panzerdivision nahm er an den UN-Einsätzen in Bosnien teil. Letzten November wurde er zum Chef der 3. Division befördert. McColl ist verheiratet und hat drei Kinder.

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