• Ein Drittel der Familien mit Kindern leben unterhalb der Armutsgrenze, großes Wohlstandsgefälle bei Rentnern

Politik : Ein Drittel der Familien mit Kindern leben unterhalb der Armutsgrenze, großes Wohlstandsgefälle bei Rentnern

KNA

Rund 690 000 Menschen in Deutschland sind nach Angaben der Ärztekammer Berlin wohnungslos. Etwa 35 000 von ihnen übernachteten ohne Unterkunft im Freien, darunter bis zu 4000 Frauen, wie die Ärztekammer am Donnerstag anlässlich eines am Freitag in der Hauptstadt beginnenden Kongresses über "Armut und Gesundheit" mitteilte. In den neuen Bundesländern steige die Zahl der Wohnungslosen jährlich um rund 25 Prozent. Bis zu 90 Prozent der Menschen ohne Wohnung brauchten dringend ärztliche Behandlung.

Die Arbeiterwohlfahrt konstatiert unterdessen in ihrem Sozialbericht 1999 ein großes Wohlstandsgefälle bei Rentnern. Rund 80 Prozent der Bewohner stationärer Alteneinrichtungen zwischen 70 und 75 Jahren seien Sozialhilfeempfänger, erklärte AWO-Bundesgeschäftsführer Bückers am Donnerstag in Berlin bei der Vorstellung des Berichts. Bei den bis 80-Jährigen betrage der Anteil sogar 88 Prozent. Gleichzeitig besäßen Senioren-Haushalte mit einer Person über 65 Jahren mit 410 Milliarden Mark fast ein Viertel der gesamten Vermögensbestände.

Die hannoversche Bischöfin Margot Käßmann warf derweil Politikern vor, soziales Ungleichgewicht in Deutschland zu fördern. Die Bundesregierung müsse die Vermögenden dazu anhalten, beim Sparen mehr beizutragen als die anderen, forderte die 41-jährige lutherische Theologin in einem epd-Interview. "Wenn ein Drittel des Sparpaketes im Sozialbereich eingespart werden soll, habe ich damit ganz große Probleme." Sie trete energisch der Behauptung entgegen, dass damit Menschen getroffen würden, die nicht arbeiten, sondern sich vom Sozialstaat ernähren lassen wollten. Es könne überdies nicht akzeptiert werden, dass nahezu ein Drittel der Familien mit zwei oder mehr Kindern unterhalb der Armutsgrenze lebt, sagte Käßmann, die Anfang Dezember hundert Tage im Amt ist.

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