Politik : Ein Euro für eine Stimme in Italien

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Rom Das Mitte-Links-Lager in Italien hat am Sonntag erstmals landesweite Vorwahlen veranstaltet, um den Spitzenkandidaten für die Parlamentswahl im Frühjahr zu bestimmen. Klarer Favorit unter den sieben Bewerbern ist der frühere EU-Kommissionspräsident Romano Prodi (66). „Ich bin der Einzige, der (Ministerpräsident Silvio) Berlusconi schlagen kann“, sagte Prodi. „Die Vorwahlen laufen gut.“ Prodi war bereits von 1996 bis 1998 Regierungschef in Rom. An den „Primaries“ nach amerikanischem Muster konnte jeder Bürger teilnehmen. Voraussetzung war lediglich, dass die Wähler einen Euro für die Organisationskosten zahlen sowie unterschreiben, dass sie Anhänger des Links-Lagers sind. Es gab fast 10 000 Wahllokale, es wurden zwischen 300 000 und einer Million Teilnehmer erwartet.

Prodi geht davon aus, dass ein klares Votum ihm beim Comeback in der italienischen Politik hilft. „Es geht um das politische Gewicht Prodis gegenüber Berlusconi und um seine Position innerhalb des Linkslagers“, meint ein Kommentator. Als schärfster Gegner bei den „Primaries“ gilt Kommunistenführer Fausto Bertinotti. Der stand 1998 hinter dem Sturz Prodis als Ministerpräsident. Allerdings dürften die Vorwahlen nach Angaben von Experten durch die von Berlusconi angestrebte Abkehr vom Mehrheitswahlrecht und die Rückkehr zur Verhältniswahl deutlich an Gewicht verlieren. Das neue Wahlrecht, dem die römische Abgeordnetenkammer bereits zugestimmt hat, würde die Stellung der Parteien und die traditionelle Parteienzersplitterung in Italien fördern. Dies könnte eine Schwächung für den parteilosen Wirtschaftsprofessor Prodi bedeuten. dpa

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