Politik : Ein Feind des Qualms

Der Koreaner Lee ist neuer Chef der Weltgesundheitsorganisation

Jan Dirk Herbermann[Genf]

Kurz nachdem Jong Wong Lee zum Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gewählt worden war, klingelte das Telefon. Ein Ferngespräch aus den USA. Lees einziger Sohn war dran, ein Student. „Vater, ich brauche ein neues Auto, du kannst es dir jetzt ja wohl leisten.“ Wenn Papa Lee diese Anekdote zum Besten gibt, strahlt er. Der Südkoreaner wird in Zukunft seinen schönen Humor noch öfter brauchen: Am Montag hat Jong Wook Lee den bürdenreichen Job des WHO-Chefs übernommen.

Der promovierte Mediziner wird zwar in Genf ein bestelltes Haus vorfinden, doch rund um den Globus lauern immer neue gesundheitliche Gefahren. Die Killerseuche Sars, da sind sich die WHO-Experten einig, war nur der Auftakt. Lee: „Sars ist die erste neue Epidemie des 21. Jahrhunderts, aber nicht die letzte.“ Der 58-Jährige will das WHO-Frühwarnsystem zur Seuchenerkennung stärken. Damit ist klar: Sars, und was da noch an heimtückischen Krankheiten auf die Menschheit zukommt, ist Chefsache.

Neben dem Kampf gegen alte, hartnäckige Seuchen wie Aids und Malaria will Lee auch die WHO-Kampagne gegen den blauen Dunst forcieren. Lees Vater, ein passionierter Raucher, ging elendig an Kehlkopfkrebs zugrunde. „So eine Erfahrung sitzt tief drin“, sagt Lee. Doch wie hält sich der oberste Gesundheitswächter der Welt fit? Tennis, Ski, Tauchen und ausreichend Erholung. Der Asiate isst viel Fisch, Gemüse und Obst. So konsequent wie sich Lee ernährt, so konsequent ist er auch die Karriereleiter emporgestiegen. In rund 20 Jahren bei der WHO war Lee rund um den Globus unterwegs, wechselte mehrfach in die Zentrale am Genfer See und führte seinen härtesten Kampf als Chef der WHO-Abteilung Tuberkulose.

Rein fachlich kann Lee also überzeugen. Doch der Koreaner muss sich auch auf einem anderen Gebiet beweisen: Die WHO braucht Geld. Im Fach Marketing, so meinen einige WHO-Funktionäre, hat Lee noch einiges zu lernen. Vielleicht, so hoffen sie, bringt seine bescheidene Art dem Nachfolger der Norwegerin Gro Harlem Brundtland den nötigen Erfolg.

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