Politik : Ein Friedensarchitekt

Ahmed Kurei gilt als möglicher Nachfolger von Abbas

Martin Gehlen

Die Israelis kennen und schätzen ihn seit langem. Ahmed Kurei, genannt Abu Ala, leitete die palästinensische Delegation bei den geheimen Friedensverhandlungen in Norwegen, die zu dem Oslo-Abkommen führte. Seine inoffiziellen Kontakte zur israelischen Seite gehen zurück bis in die 70er Jahre. Seither hat der gemäßigte Politiker als Mitglied von Arafats Fatah-Führung praktisch an allen Friedensgesprächen teilgenommen und mit allen israelischen Regierungschefs seit Rabin verhandelt. Bis heute besonders intensiv sind seine Kontakte zu Schimon Peres. Aber auch mit Israels Ministerpräsident Ariel Scharon trifft er gelegentlich zusammen.

Solange es irgendeine Hoffnung gebe, mit Israel Frieden zu schließen, wolle er den Gesprächsfaden nicht abreißen lassen, sagte Kurei. „Doch wenn sie nur die Besatzung verlängern wollen, werden wir kämpfen – selbst wenn das noch 10, 15, 20 Jahre dauert." Ähnlich wie der zurückgetretene Ministerpräsident Mahmud Abbas ist Abu Ala jedoch ein offener Kritiker der Selbstmordanschläge. „Diese Taten schaden uns nur“, erklärte er und provozierte damit wütende Proteste aus den Reihen der Hamas und des Islamischen Dschihad.

Der Palästinenser wurde 1937 in Abu Dis bei Jerusalem geboren, wo er heute wieder lebt. Er stammt aus einer wohlhabenden Familie, deren Land Israel später für den Bau einer Siedlung konfiszierte. In den 70er Jahren ging Kurei mit PLO-Chef Arafat nach Beirut und später von dort nach Tunis ins Exil. Erst nach dem Oslo-Abkommen kehrte er in die Autonomiegebiete zurück. Bis 1996 war der Vater von fünf Kindern dann Minister für Wirtschaft und Handel sowie Minister für Industrie in der palästinensischen Autonomieregierung. Ahmed Kurei besitzt eine Zementfabrik, die zum Missfallen seiner Landleute auch jüdische Siedlungen beliefert.

1996 wurde er mit einem Rekordergebnis als Abgeordneter von Jerusalem in das palästinensische Parlament gewählt. Vier Jahre später bestimmte ihn die Kammer mit überwältigender Mehrheit zu ihrem Präsidenten. Zusammen mit dem am Samstag zurückgetretenen Mahmud Abbas gilt Kurei als Befürworter von Reformen und mehr Demokratie. In den letzten Wochen hatte er versucht, im Machtkampf seiner beiden alten Weggefährten Arafat und Abbas zu vermitteln. Vergeblich. Nun könnte er offenbar selbst palästinensischer Regierungschef werden.

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