Politik : „Ein Friedhof für Kolonialtruppen“

Talibanführer gibt sich siegesgewiss / Mehr CIA-Präsenz in Afghanistan

Kabul - Der Anführer der afghanischen Taliban, Mullah Omar, hat den Nato- Truppen im Land eine „eindeutige Niederlage“ prophezeit. In einer am Samstag veröffentlichten Erklärung sprach Omar von „hohen Verlusten“ und einer „sinkenden Moral“ bei den mehr als 100 000 ausländischen Soldaten. Angesichts der zunehmenden Gewalt plant der US-Geheimdienst CIA einem Zeitungsbericht zufolge die Entsendung weiterer Agenten nach Afghanistan.

Die internationalen Truppen sollten die Lehren aus der Vergangenheit ziehen, hieß es in der Erklärung Omars weiter. Afghanistan sei schon immer ein „Friedhof“ für „Kolonialtruppen“ gewesen. Je mehr die internationalen Truppen verstärkt würden, desto unausweichlicher sei deren Niederlage. Ein Verweilen der ausländischen Soldaten in Afghanistan werde die Krise lediglich verlängern, aber niemals beilegen.

Mullah Omar war der Anführer der Taliban, als diese von 1996 bis 2001 Afghanistan beherrschten. Er ist auf der Flucht und hat sich, anders als sein Verbündeter Osama bin Laden, seither auch nicht in Videoaufnahmen gezeigt. Westliche Geheimdienste vermuten, dass er sich in Pakistan versteckt hält.

Präsident Hamid Karsai appellierte am Sonntag in einer Friedensbotschaft zum Ende des Fastenmonats Ramadan an die Taliban, ihren Kampf einzustellen. Alle „afghanischen Brüder“, die „wütend“ seien, sollten aufhören zu kämpfen, ihr eigenes Land zu zerstören und ihre Landsleute zu töten, sagte Karsai.

Nach Informationen der „Los Angeles Times“ sollen die CIA-Aktivitäten in Afghanistan erheblich ausgeweitet werden. Zusätzlich zu den bereits in Afghanistan tätigen 700 CIA-Agenten würden weitere Teams entsandt, berichtete die Zeitung. Damit werde die Präsenz der CIA in Afghanistan von ihrer Größe her vergleichbar mit der des Geheimdienstes in Vietnam und im Irak in den heißen Phasen der jeweiligen Kriege.

Die neuen CIA-Agenten sollen dem Bericht zufolge unter anderem bei der Jagd nach Aufständischen helfen, die Stimmungslage in der Bevölkerung beobachten und Informationen über Korruption in der afghanischen Regierung sammeln. Auch weitere Agenten anderer US-Geheimdienste sollen demnach nach Afghanistan entsandt werden. Die CIA-Mission wird parallel zur Präsenz von US- Truppen verstärkt. Bis zum Jahresende soll die Truppenstärke auf 68 000 US-Soldaten vergrößert werden. AFP

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