Politik : Ein Gebet als Brücke

Israel und Ägypten nähern sich an

Andrea Nüsse

Kairo - Die etwa 400 Meter von einer Residenz hat Schalom Cohen demonstrativ zu Fuß zurückgelegt. Der neue israelische Botschafter in Kairo erschien kürzlich als Erster an der Synagoge im Kairoer Stadtteil Maadi. Das in einem verwunschenen Garten liegende Gebäude von 1934 zeugt von Zeiten, als in diesem damaligen Villenvorort eine starke jüdische Gemeinschaft vertreten war. In den vergangenen Jahren wurde das nach seinem Begründer Meyr Jehuda Biton  benannte Gotteshaus nur zu besonderen Feiertagen genutzt, aber nicht für das wöchentliche Schabat-Gebet. Das will Cohen jetzt ändern. Er sei „stolz“, die Tradition des Schabat-Gebetes in dieser Synagoge wieder aufzunehmen, sagte der erst wenige Monate amtierende Botschafter Israels in Ägypten. Ob es dazu kommen würde, war allerdings bis zuletzt unklar. Denn mindestens zehn Männer müssen anwesend sein, um einen Gottesdienst abzuhalten. Mehrere Diplomaten und Angestellte der Botschaft fuhren vor und auch der Generalkonsul aus Alexandrien war gekommen: Er sprach von einem „symbolischen Akt“, der die Normalisierung der Beziehungen deutlich machen sollte. Nicht gekommen war allerdings die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Carmen Weinstein. Der ägyptische Anwalt der Gemeinde erklärte, sie sei krank. Allerdings hatte sie die etwa 30 bis 40 älteren Frauen, welche die jüdische Gemeinde in Kairo ausmachen, nicht eingeladen. Das lässt darauf schließen, dass die jüdische Gemeinde nicht zu sehr mit der israelischen Botschaft assoziiert werden möchte, von der der Wunsch nach dem Schabat-Gebet ausgegangen ist.

Wenn man sich die Zahlen anschaut, erhärtet sich, dass es sich mit der Wiederaufnahme des Schabat-Gebets in der Synagoge um einen symbolischen Akt handelt. Botschafter Cohen schätzt, dass neben den Damen der jüdischen Gemeinde etwa 60 bis 70 israelische Diplomaten und Geschäftsleute im Lande seien, die jedoch nicht alle permanent in Kairo wohnten. Er wollte die Aktion im Zusammenhang mit der Verbesserung der Beziehungen zwischen Ägypten und Israel sehen.

In der Tat hat Präsident Hosni Mubarak Ende letzten Jahres eine Normalisierung der Beziehungen zu Israel eingeleitet, die im Land auf heftige Kritik und Proteste stößt. Seit November 2000 waren die Beziehungen zwar nicht formal abgebrochen, aber sie lagen brach. Ägypten hatte kurz nach Ausbruch der zweiten Intifada den ägyptischen Botschafter aus Tel Aviv abgezogen, um gegen das harsche Vorgehen der israelischen Armee gegen die Palästinenser zu protestieren. In einer Kehrtwende seiner bisherigen Politik erklärte Mubarak Ende 2004, dass Scharon die „beste Chance für Frieden“ in der Region biete. „Dies ist eine völlige Abkehr vom alten Konzept“, analysiert Gamal Abdel Gawad vom Al-Ahram-Zentrum für strategische Studien in Kairo. Am 17. März  2005 kam der neue ägyptische Botschafter in Tel Aviv an, nachdem der Posten vier Jahre lang vakant gewesen war.

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